Ex-Flugkapitän warnt vor zu großer Abhängigkeit von AI im Flugzeug
Als ehemaliger Flugkapitän warnt Richard Champion de Crespigny, der 2010 bei Qantas Flight 32 mit seinem Crew die dramatische Explosion eines Triebwerks über Singapur überlebte, vor einer zunehmenden Abhängigkeit von Automatisierung und Künstlicher Intelligenz im Flugverkehr. Während des Fluges, der zunächst ruhig verlief, zerbarst nach vier Minuten Start das zweite Triebwerk, wodurch Hunderte von Schrapnellstücke das Flugzeug trafen und 21 Systemausfälle, 650 defekte Leitungen sowie 50 Prozent Netzwerkunterbrechungen verursachten. Trotz der katastrophalen Lage retteten de Crespigny und seine Crew alle 469 Passagiere durch gezieltes Handeln – unter anderem, indem sie bestimmte automatisch generierte Checklisten ignorierten, da diese bei der konkreten Situation gefährlich gewesen wären. Die Ursache lag in einem Fertigungsfehler eines kleinen Rohrstücks im Rolls-Royce-Triebwerk des Airbus A380. Heute sieht de Crespigny die größere Gefahr nicht in der Technik selbst, sondern in der zunehmenden Passivität der Piloten gegenüber automatisierten Systemen. Er warnt, dass moderne Flugzeuge mit „Black-Box“-Computern ausgestattet seien, die bei Ausfällen oft falsche oder überflüssige Anweisungen geben. „Wenn die Computer versagen, müssen die Piloten wissen, welche Systeme defekt sind, sie abschalten und das Flugzeug manuell fliegen“, betont er. Die Abhängigkeit von Automatisierung gefährde die Fähigkeit, in Krisensituationen kritisch zu denken und eigenständig zu handeln. Sein zentrales Anliegen: Die menschliche Kompetenz darf nicht verloren gehen, auch wenn Technik weiter voranschreitet. Obwohl er die Einführung von KI im Cockpit nicht als unmittelbare Bedrohung ansieht – „AI ist ein Werkzeug, kein Ersatz“ –, warnt er davor, die Kontrolle zu verlieren. Er plädiert für ein lebenslanges Lernen, das die Fähigkeit zum manuellen Fliegen bewahrt. KI wird in Zukunft zwar immer stärker in der Luftfahrt eingesetzt, doch de Crespigny glaubt, dass Piloten in den nächsten Jahrzehnten weiterhin notwendig sein werden. Er geht davon aus, dass erste autonome Flugzeuge zunächst militärisch oder für Frachtflüge über Ozeanen eingesetzt werden, und in etwa 30 Jahren könnte selbst ein Passagierflugzeug mit „sentientem“ AI autonom fliegen – allerdings nur, wenn die Technik weit über den heutigen Stand hinausgeht. Industrieexperten bestätigen, dass de Crespignys Warnung aktuell relevant ist: „Die größte Gefahr ist nicht die Technik, sondern die Entmündigung des Menschen“, sagt ein Luftfahrtexperte. Seine Bücher und die FLY!-Podcastreihe haben bereits zahlreiche Piloten und Organisationen inspiriert, die Balance zwischen Automatisierung und menschlicher Kompetenz zu wahren. De Crespigny bleibt eine zentrale Stimme für Resilienz und Verantwortung in der modernen Luftfahrt.
