Top-Ingenieure meiden LinkedIn – doch kein Grund, Profil zu löschen
Ex-Meta-Ingenieur Michael Novati, einst bekannt als „Coding Machine“ wegen seiner herausragenden Fähigkeiten, hat auf der Podcast-Serie „A Life Engineered“ die Behauptung aufgestellt, dass die absolut besten Softwareingenieure in der Tech-Branche nicht auf LinkedIn zu finden seien. Novati, der fast acht Jahre bei Meta (damals Facebook) arbeitete und dort zum Principal Software Engineer aufstieg, erklärte, dass Spitzenkräfte aus der Branche bewusst auf Plattformen wie LinkedIn verzichten – nicht aus Mangel an Erfolg, sondern aus strategischer Zurückhaltung. „Wenn du ein LinkedIn-Profil hättest, würden Leute sich fragen, ob du jobsuchst“, sagte er, was die Kultur unter Top-Ingenieuren beschreibt: Diskretion statt Selbstvermarktung. Diese hochrangigen Ingenieure seien nicht durch persönliche Branding-Strategien oder Influencer-Äußerungen bekannt, sondern durch tiefgreifende, langfristige Beziehungen zu Rekrutierungsprofis bei Unternehmen wie Meta, Google oder OpenAI. Novati nennt dies die „geheimen Rückzimmer-Verhandlungen von Silicon Valley“. Denn die größten Tech-Firmen verfügen über hochspezialisierte Recruiting-Teams mit enormem Netzwerk und Einfluss. Diese Recruiter pflegen jahrelange Kontakte zu herausragenden Talenten – etwa durch Campus-Rekrutierung an Elite-Unis wie Stanford, wo sie persönliche Bindungen aufbauen. Ein Beispiel: Ein Ingenieur verbringt eine Woche auf einem Campus, arbeitet eng mit dem Recruiter zusammen, entwickelt Vertrauen – und wird später direkt kontaktiert, ohne jemals öffentlich gesucht zu werden. Diese „$100-Millionen-Ingenieure“ bleiben anonym, weil sie nicht nach Arbeit suchen müssen – sie werden angefragt. Selbst CEOs wie Mark Zuckerberg oder Sam Altman greifen persönlich ein: Zuckers Liste von Top-AI-Talenten, Altmans persönliche Anrufe bei potenziellen Mitarbeitern – alles Teil eines elitären, oft diskreten Rekrutierungsnetzwerks. Trotz dieser Aussagen warnt Novati davor, LinkedIn einfach zu löschen und zu hoffen, dass Angebote kommen. Die Gruppe der absolut besten Ingenieure sei eine Ausnahme – eine „spezielle Ausnahme“, wie er betont. Für die meisten Entwickler bleibt persönliches Branding weiterhin wichtig. Die meisten Jobs werden weiterhin über Netzwerke, Profilpräsenz und aktive Suche gefunden. Die Aussage hebt jedoch ein klares Bild der Hierarchie in der Tech-Branche hervor: Während viele sich auf LinkedIn profilieren, sind die wahren Spitzenkräfte oft unsichtbar – nicht wegen mangelnder Kompetenz, sondern wegen bewusster Zurückhaltung. Unternehmen investieren Milliarden in die Gewinnung dieser wenigen, entscheidenden Talente, wobei persönliche Beziehungen oft wichtiger sind als öffentliche Präsenz. Einige Branchenexperten sehen darin eine Bestätigung für die zunehmende Konzentration von Macht und Talent in wenigen Händen. „Die Rekrutierung wird immer weniger transparent“, sagt eine Analystin der Tech-Branche. „Wer sich nicht im Netzwerk bewegt, bleibt außen vor – selbst wenn er Spitzenleistungen erbringt.“ Für die meisten Ingenieure bleibt daher die Balance zwischen Sichtbarkeit und Diskretion entscheidend – nur die allerersten unter ihnen können sich den Luxus einer völligen Abwesenheit leisten.
