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Audit prüft MINT-Fachzeitschriften auf erfundene Zitate

Eine von der Columbia University School of Nursing geführte Forschungsgruppe um Maxim Topaz hat nach einer früheren Untersuchung medizinischer Fachliteratur nun auch in den Natur-, Ingenieur- und Informatikwissenschaften Hinweise auf mutmaßlich erfundene Literaturangaben gefunden. Die in den Proceedings of the National Academy of Sciences veröffentlichte Studie prüfte 500.000 zwischen Januar 2023 und März 2026 publizierte Fachaufsätze aus Chemie, Physik, Materialwissenschaft, Ingenieurwesen, Informatik und Künstlicher Intelligenz. Über die Datenbank OpenAlex wurden 21,6 Millionen Referenzen mit digitaler Objektidentifikationsnummer automatisch abgeglichen. 1.135 Zitate in 619 Aufsätzen konnten in Online-Datenbanken nicht auffindbar gemacht und als vermutlich erfunden klassifiziert werden. Ein unabhängiges Expertengutachten zu einer Zufallsstichprobe von 400 markierten Zitaten bestätigte 85,8 Prozent der Fälle als erfunden. Die Häufigkeit stieg im Untersuchungszeitraum deutlich an. 2023 betrafen mutmaßlich erfundene Referenzen 6,3 pro 10.000 Aufsätze, 2025 waren es 15,4 und im ersten Quartal 2026 bereits 23,0 pro 10.000, was ungefähr einem betroffenen Aufsatz pro 435 entsprach. Das Problem zeigte sich in allen geprüften Disziplinen: Physik 25,6, Materialwissenschaft 18,4, Informatik und Künstliche Intelligenz 11,1, Ingenieurwesen 10,3 sowie Chemie 4,3 erfundene Zitate pro 10.000 Aufsätze. Die meisten betroffenen Publikationen enthielten nur ein oder zwei falsche Literaturangaben. 27 Aufsätze mit jeweils mindestens fünf solchen Zitaten machten jedoch mehr als ein Drittel aller gefundenen Fälle aus. Auf hochgerechnet etwa 7 Millionen Aufsätze in den betrachteten Feldern schätzen die Autoren, dass rund 8.500 Publikationen mindestens eine erfundene Referenz enthalten. Zwei der geprüften betroffenen Aufsätze waren zum Zeitpunkt der Analyse bereits zurückgezogen. Die Ergebnisse setzen frühere Arbeiten des Teams fort. Ein Beitrag in The Lancet hatte 4.046 erfundene Zitate in 2.810 von 2,5 Millionen medizinischen Aufsätzen identifiziert. Eine weitere Untersuchung zeigte, dass erfundene Referenzen in medizinischen Vorabveröffentlichungen etwa doppelt so häufig vorkamen wie in begutachteten Artikeln. Zudem fanden die Forschenden in einer noch nicht begutachteten Vorabveröffentlichung, dass große Sprachmodelle 55 Prozent der angeforderten medizinischen Referenzen erfunden hätten. Topaz betont, das Problem sei nicht auf die Medizin beschränkt. Jede Referenz sei ein Versprechen an Lesende, dass die Quelle existiere; dieses Versprechen werde in wachsender Zahl wissenschaftlicher Aufsätze nicht eingelöst. Die Autoren empfehlen routinemäßige automatische Prüfungen von Literaturangaben bereits bei der Einreichung sowie rückwirkende Screening-Verfahren für bereits publizierte Fachliteratur. Sie fordern zudem, dass bibliographische Dienste und Integritätsdatenbanken erfundene Referenzen als eigene Kategorie erfassen, getrennt von Plagiaten oder Datenmanipulation, damit sie gezielt verfolgt und adressiert werden können. Als nächsten Schritt will das Team bis zu 12 Millionen seit 2020 erschienene medizinische Aufsätze durchsuchen und bewerten, wie stark mehrere hundert identifizierte erfundene Zitate die zitierenden Publikationen beeinträchtigen können. Gemeinsam mit Journalredaktionen und Integritätsbeauftragten sollen daraus Prüfprotokolle, Leitlinien und Schulungen für die Einreichungspraxis entwickelt werden.

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