Meta fokussiert auf Rechenleistung, AI und Werbetechnik – Metaverse bleibt stumm
Auf der Ergebnispräsentation von Meta zeigte sich eine deutliche Verschiebung der Prioritäten: Während der Begriff „Metaverse“ in diesem Jahr überhaupt nicht fiel – im Gegensatz zu früheren Calls, wo er mehrfach genannt wurde – wurde „Compute“ zum zentralen Stichwort. Mark Zuckerberg verwendete das Wort 14 Mal, CFO Susan Li acht Mal. Beide betonten die strategische Bedeutung von Rechenleistung, Infrastruktur und Kapazitätsausbau für die künftige Entwicklung von KI. Meta erhöhte seine Kapitalausgaben-Prognose für 2025 und kündigte an, auch 2026 weiterhin massiv in die Infrastruktur zu investieren. Der Fokus liegt dabei auf der Entwicklung eigener KI-Modelle mit „neuartigen“ Anwendungsfällen. Zuckerberg verwendete den Begriff „novel“ siebenmal, um die Ambitionen bei der Erstellung bahnbrechender KI-Produkte zu unterstreichen. Die Social-Media-Plattformen Facebook (13 Mal), Instagram (11 Mal) und Threads (10 Mal) wurden im Gespräch dominierend erwähnt, während WhatsApp mit sechs Erwähnungen deutlich hinterherhinkte. In puncto Hardware spielten „Glasses“ (sechs Mal) und „Quest“ (neun Mal) eine zentrale Rolle – ein deutliches Signal, dass Meta weiterhin auf seine VR- und AR-Produkte setzt, auch wenn der Metaverse-Fokus im öffentlichen Diskurs zurückgefahren wurde. Der Begriff „Horizon“ wurde nicht erwähnt, was die Abkehr von einer expliziten Metaverse-Strategie im Gespräch unterstreicht, obwohl der CTO Andrew Bosworth in einem internen Memo betonte, dass die Metaverse-Arbeit weiterhin eine Unternehmenspriorität sei. Meta verzeichnete einen erheblichen Steuerbelastungseffekt durch die Umsetzung des „One Big Beautiful Bill Act“ von Donald Trump, der 15,9 Milliarden US-Dollar an Steuern verursachte. Obwohl das Thema in der Präsentation nicht explizit angesprochen wurde, führte es zu einer negativen Reaktion der Anleger: Meta-Aktien fielen am folgenden Tag um mehr als zehn Prozent. Interessant ist, dass weder „Präsident“ noch „Trump“ im Gespräch auftauchten – ein Hinweis auf eine bewusste Distanzierung von politischen Themen, im Gegensatz zu früheren Calls, die noch auf makroökonomische Unsicherheiten eingingen. Auch zu Wettbewerbern wie OpenAI, Anthropic, Google oder xAI wurde auf dem Call kein Wort gesagt. Ein Analyst erwähnte zwar OpenAIs Sora-Video-App, doch die Führungsetage blieb stumm. Dies deutet auf eine strategische Zurückhaltung, um nicht zu viel Aufmerksamkeit auf die KI-Entwicklung zu lenken, während Meta an der Schaffung einer eigenen, eigenständigen KI-Infrastruktur arbeitet. Bewertung: Branchenexperten sehen in der Verschiebung von Metaverse zu Compute eine klare strategische Neuausrichtung. „Meta erkennt, dass der Weg zu einer massenweiten VR-Realität noch zu weit ist. Stattdessen baut das Unternehmen jetzt die technische Grundlage für die nächste KI-Generation auf“, sagt ein Analyst von Evercore ISI. Die hohe Investition in Rechenleistung unterstreicht, dass Meta nicht nur ein KI-Player, sondern ein Infrastruktur- und Plattformanbieter werden will. Die marktbedingte Reaktion auf die Zahlen zeigt, dass Investoren zwar die langfristige Vision unterstützen, aber kurzfristig auf Gewinnstabilität achten. Meta bleibt weiterhin ein dominierender Akteur in der digitalen Ökonomie – nur mit einem anderen Fokus.
