Das größte Rechenzentrum der Welt wird zum Problem in Utah
Utah bereitet die Ansiedlung des weltweit größten geplanten Rechenzentrums vor, obwohl Experten eindringliche Warnungen aussprechen und die lokale Bevölkerung massiv protestiert. Die Behörden im Box Elder County haben das sogenannte Stratos-Projekt genehmigt. Dieses umfasst eine Fläche von 16.000 Hektar im Hansel Valley und soll die amerikanische Vorherrschaft im Bereich der künstlichen Intelligenz sichern, birgt jedoch das Risiko schwerer Umweltschäden und einer Überlastung der ohnehin knappen Wasserressourcen. Das Projekt wird vom Unternehmer Kevin O'Leary vorangetrieben, einem Investor aus der Finanzwelt. Es ist mit einer Fläche, die mehr als doppelt so groß ist wie Manhattan, geplant und soll eine Leistung von neun Gigawatt verbrauchen, was fast der doppelten Stromspitzennachfrage des Bundesstaats Utah für das Jahr 2025 entspricht. Die erste Bauphase wird auf mehr als vier Milliarden US-Dollar geschätzt. O'Leary argumentiert, dass das Zentrum notwendig sei, um die nationale Verteidigung zu stärken und der Welt, insbesondere China, die Entschlossenheit der USA zu demonstrieren. Während die Genehmigung durch die County-Kommission und den Gouverneur Spencer Cox erteilt wurde, fehlen noch die endgültigen Umwelt- und Baugenehmigungen. Der Genehmigungsprozess verlief ungewöhnlich schnell, wobei politische Entscheidungsträger das Projekt offensichtlich priorisierten. Ein zentraler Kritikpunkt ist der enorme Energiebedarf. Obwohl das Rechenzentrum über eine eigene Kraftwerksgesellschaft verfügen soll, die Erdgas aus der Ruby-Pipeline nutzt, könnte der jährliche Verbrauch von etwa 16 Milliarden Kubikmetern Gas die Versorgungssicherheit in Utah gefährden. Laut Schätzungen des Unternehmens Utah Clean Energy könnte das Projekt jährlich 30,2 Millionen Tonnen CO2 ausstoßen, was die Kohlenstoffemissionen des Bundesstaats um 55 Prozent steigen lassen würde. Zusätzlich zu den Energie- und Emissionsproblemen warnt die lokale Wissenschaft vor drastischen Temperaturveränderungen. Robert Davies, Physikprofessor an der Utah State University, berechnete, dass das Rechenzentrum eine thermische Last erzeugen wird, die mit der Energie von 23 Atom Bomben pro Tag verglichen werden kann. Angesichts des trockenen Wüstensommers könnte die Kühlung dieses Ausmaßes an Hitze die Umgebungstemperatur tagsüber um zwei bis fünf Grad und nachts um acht bis zwölf Grad erhöhen. Dies würde verhindern, dass die nächtliche Temperatur auf den Taupunkt fällt, was für die Feuchtigkeitsbildung in Wüstenökosystemen entscheidend ist. Die Folge wäre eine weitere Austrocknung der Region, die das Überleben von Pflanzen und Tieren massiv gefährdet. Auch die Wasserversorgung bleibt ein strittiges Thema. Zwar versprechen die Betreiber, ein geschlossenes Wasserkreislaufsystem zu nutzen, das kein Wasser von Haushalten, Farmen oder dem Großen Salzsee abzwackt, sind sich jedoch uneinig über die genaue Wasserquelle. Ursprünglich war die Entnahme aus der Salt Wells Spring geplant, was jedoch nach über 4.000 öffentlichen Einwendungen verworfen wurde. Nun wurde ein neuer Antrag auf Nutzung einer namenlosen Quelle im Hansel Valley eingereicht, der von einer neuen Gesetzgebung profitieren könnte, die die Wasserrechte für Großprojekte erleichtert. Die offizielle Reaktion auf den öffentlichen Widerstand war ablehnend. Der Kommissar Boyd Bingham kritisierte Proteste als unreif, und Gouverneur Cox bezeichnete Verzögerungen als dumm und ineffektiv. Gleichzeitig warf O'Leary den Gegnern vor, von chinesischen Interessen finanziert zu sein. Die Bauphase wird mehrere Jahre dauern, doch die Kontroverse um die ökologischen Folgen dieses Megaprojekts ist noch lange nicht beigelegt.
