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Autonome KI entlastet Dermatologie um 8.500 Termine

Eine aktuelle Real-World-Studie an zwei britischen Krankenhäusern zeigt, dass autonom arbeitende KI-Systeme erhebliche Entlastungen im dermatologischen Versorgungssystem schaffen können. Über einen Zeitraum von 16 Monaten begleiteten die Forschenden 8.391 Patientinnen und Patienten, die über den dringenden Verdachtsweg auf Hautkrebs überwiesen worden waren. Das Ergebnis: Die autonome KI konnte klinische Kapazitäten so effizient nutzen, dass rechnerisch mehr als 8.500 zusätzliche Face-to-Face-Termine ermöglicht wurden. Die Studie wurde auf dem Kongress der European Academy of Dermatology and Venereology (EADV) 2026 vorgestellt. Der Bedarf an dermatologischen Leistungen steigt in England kontinuierlich an. Seit 2009 haben sich dringende Verdachtsüberweisungen fast verdreifacht, wobei lediglich etwa sechs Prozent tatsächlich auf Hautkrebs hinweisen. Parallel dazu ist etwa jeder vierte Arztplatz in der Dermatologie im Vereinigten Königreich unbesetzt, was zu einer deutlichen Diskrepanz zwischen Nachfrage und Facharzt-Kapazitäten führt. Um diese Lücke zu schließen, kam in der Studie ein CE-zertifiziertes KI-Medizinprodukt der Klasse III zum Einsatz. Basierend auf klinischen und dermatoskopischen Smartphone-Aufnahmen klassifizierte das System Hautläsionen eigenständig. Gut 86 Prozent der Teilnehmenden stimmten dem autonomen Entscheidungsverfahren zu. In den beiden Krankenhäusern entließ die KI 31 bzw. 25 Prozent der Patientinnen und Patienten ohne ärztliche Mitwirkung sicher nach Hause. Die verbleibenden Fälle wurden per Teledermatologie weitergeleitet. Im Vergleich zu konventionellen teledermatologischen Prozessen reduzierte sich der Anteil der Patienten mit Routinenachkontrolle von 27 auf 12 Prozent. Auch die Quote an Biopsien sank deutlich von 43 auf 27 Prozent. Insgesamt wurden 2.851 Stunden Arbeitszeit der Fachkräfte eingespart, was einer Kapazitätsgewinnung von rund 62 Prozent entspricht. Bei angenommener Sprechstundenlänge von 20 Minuten entspricht dies dem genannten Mehrwert an zusätzlichen Terminen. Die Sicherheit des Systems wurde durchgängig überwacht. Sensitivitätswerte für invasives Melanom, Plattenepithelkarzinom und Basalzellkarzinom lagen im nationalen Datensatz beider Standorte bei über 98 Prozent. Die Spezifität betrug 72,1 Prozent. Sechs falsch-negative Befunde wurden durch die Post-Market-Surveillance identifiziert, wobei nach verfügbaren Follow-up-Daten keine negativen klinischen Verläufe eintraten. Leitautorin Dr. Lucy Thomas betont, dass der eigentliche Mehrwert autonomer KI nicht in der Technologie selbst liege, sondern in der Freisetzung von Spezialistenkapazitäten. Jede für niedrigriskante Läsionen eingesparte Stunde könne für dringende Krebsfälle oder schwere entzündliche Hauterkrankungen genutzt werden. Sie warnt zugleich, dass die sichere Implementierung KI-Systeme keinen einmaligen Schritt darstelle, sondern kontinuierliches Monitoring, Fehleranalyse und transparente Patienteninformation erfordere. Bei Replikation in weiteren Versorgungssettings könnte die autonome KI somit zu einem festen Bestandteil eines nachhaltigen dermatologischen Versorgungssystems werden.

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