Neuer Mozilla-Chef setzt auf vertrauenswürdige AI im Firefox
Mozilla steht vor einer entscheidenden Wende: Mit Anthony Enzor-DeMeo als neuem CEO setzt das Unternehmen auf eine klare Strategie, die Technologie, Privatsphäre und das Prinzip des offenen Internets miteinander verbindet – besonders im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz. Enzor-DeMeo, der bereits fast ein Jahr als Leiter des Firefox-Teams tätig war, übernimmt nun die Führung über das gesamte Unternehmen, das aus einer Nonprofit-Organisation und einer for-profit-Tochter besteht. Diese Dualität stellt eine Herausforderung dar, besonders in Zeiten, in denen Mozilla durch Kosteneinsparungen, Umstrukturierungen und den wachsenden Druck durch die Dominanz von Google und KI-Riesen wie OpenAI oder Google selbst geprägt ist. Doch Enzor-DeMeo sieht in der Krise eine Chance: „Was wir jetzt brauchen, ist ein vertrauenswürdiger Technologieanbieter“, sagt er, und sieht in der zunehmenden Vertrauenskrise rund um KI eine zentrale Chance für Mozilla. Statt eigene große Sprachmodelle zu trainieren, plant Mozilla einen „AI-Modus“ für Firefox, der 2025 erscheinen soll. Dieser wird Nutzern die Wahl zwischen mehreren KI-Modellen bieten – sowohl offene, community-getragene Modelle als auch private, von Mozilla betriebene Cloud-Optionen. Dabei bleibt die Auswahl transparent und unabhängig: „Wir sind nicht daran interessiert, ein bestimmtes Modell zu pushen“, betont Enzor-DeMeo. Auch kommerzielle Modelle wie Gemini oder Claude könnten Teil des Ökosystems werden – ohne dass Mozilla dabei kommerzielle Interessen über die Nutzerinteressen stellt. Der Fokus bleibt auf Firefox: Als Kernprodukt bringt der Browser nicht nur die größte Nutzerbasis (200 Millionen Monatsnutzer, vor allem auf mobilen Geräten), sondern auch die wichtigste Einnahmequelle – vor allem durch die Google-Suchplatzierung. Enzor-DeMeo betont, dass die Entwicklung des Browsers weiter Priorität hat. Zukünftige Produkte wie eine Integration von Mozilla VPN direkt in Firefox oder neue Datenschutzfunktionen wie Monitor sollen das Angebot erweitern und Nutzer zur Zahlung bewegen. Auch über eine mögliche Einschränkung von Ad-Blockern wird nachgedacht – eine Maßnahme, die laut Schätzungen 150 Millionen Dollar zusätzlich einbringen könnte. Doch Enzor-DeMeo lehnt sie ab: „Das wäre nicht im Einklang mit unserer Mission.“ Für die Finanzierung sieht er vielfältige Wege: Abgesehen von Werbung und Abonnements sollen Such- und KI-Platzierungsverträge, insbesondere mit Drittanbietern, eine Rolle spielen. Gleichzeitig will er die Abhängigkeit von Google reduzieren, ohne die Browser-Strategie zu verlassen. Sein zentrales Argument: „Wenn Menschen wissen, dass ihre Daten in ihrer Kontrolle sind, und dass das Produkt nicht skurril handelt, dann wollen sie es nutzen.“ Industriebeobachter sehen in Enzor-DeMeos Ansatz eine sinnvolle Balance zwischen Pragmatismus und Idealismus. „Mozilla hat die Chance, als vertrauenswürdiger Akteur im KI-Zeitalter zu agieren – besonders wenn es seine Nutzer wirklich in den Mittelpunkt stellt“, sagt eine Analystin aus dem Tech-Bereich. Mozilla, gegründet 2003 als Antwort auf die Dominanz von Internetexplorer, bleibt mit seinem Fokus auf Offenheit, Transparenz und Nutzerkontrolle einzigartig. Ob es gelingt, die Marktdominanz von Chrome zu überwinden, bleibt abzuwarten – doch Enzor-DeMeo glaubt fest daran, dass die Menschen nach einer Alternative suchen. Und dass Firefox genau diese sein könnte.
