AI dominiert Unternehmens-Pressetexte – Nutzung stabilisiert sich
Seit der öffentlichen Veröffentlichung von ChatGPT im November 2022 hat sich künstliche Intelligenz zunehmend in der Erstellung von Unternehmens- und öffentlichen Pressemitteilungen etabliert. Eine umfassende Studie im Fachjournal Patterns analysierte Tausende von Texten aus Plattformen wie Newswire, PRWeb und PRNewswire und stellte fest, dass etwa ein Viertel aller Pressemitteilungen seitdem wahrscheinlich von KI erstellt wurde – mit besonders hohen Anteilen in den Bereichen Wissenschaft und Technologie. Auch Stellenanzeigen, insbesondere auf LinkedIn, zeigen eine deutliche KI-Beteiligung: Hier lag der Anteil künstlich generierter Texte zwischen 6 und 10 Prozent, wobei kleinere Unternehmen mit bis zu 15 Prozent stärker auf KI zurückgriffen als große Konzerne. Ähnliche Trends zeigten sich auch bei der Vereinten Nationen, deren Pressemitteilungen im Zeitraum von Q1 2023 bis Q3 2024 den Anteil künstlich generierter Inhalte von 3,1 Prozent auf 13,7 Prozent steigern konnten. Obwohl die Nutzung bei den UN weiter wächst, hat sich das Wachstum deutlich verlangsamt. In der Gesamtbetrachtung der Pressemitteilungen scheint die KI-Nutzung bereits auf einem Plateau zu liegen: Der Höchststand von 24,3 Prozent im Dezember 2023 ist seitdem leicht zurückgegangen und stabilisiert sich auf einem Niveau von etwa 23,8 Prozent. Auch bei Stellenanzeigen zeigt sich ein Rückgang nach dem Höhepunkt. Interessanterweise weicht die Nutzung von KI-Tools durch Privatpersonen von klassischen Innovationsdiffusionsmustern ab. Eine Analyse von über 687.000 Beschwerden beim Consumer Financial Protection Bureau zwischen 2022 und 2024 ergab, dass etwa 18 Prozent der Beschwerden wahrscheinlich mit Hilfe von KI verfasst wurden. Überraschenderweise waren Menschen aus Regionen mit niedrigerer Bildungsbeteiligung sogar etwas häufiger KI-Nutzer als ihre besser gebildeten Altersgenossen. Dies steht im Gegensatz zur klassischen Theorie, dass Technologien zunächst von jüngeren, gebildeteren Gruppen übernommen werden. Die Forscher interpretieren dies als Hinweis auf eine „Demokratisierung des Zugangs“ zu KI-Tools, die besonders für unterrepräsentierte Gruppen potenziell wertvoll sein könnte, um ihre Stimme zu erheben. Allerdings bleibt unklar, ob diese Nutzung tatsächlich zu besseren Ergebnissen führt, was weitere Forschung erforderlich macht. Die Ergebnisse zeigen, dass KI bereits einen festen Platz in der Kommunikationslandschaft von Unternehmen, Behörden und auch privaten Bürgern eingenommen hat – vor allem in standardisierten Texten wie Pressemitteilungen und Stellenanzeigen. Die Stabilisierung der Nutzung deutet darauf hin, dass der Hype um KI-Texterstellung sich verfestigt hat, ohne weiter rasant zu wachsen. Die Tatsache, dass auch weniger gebildete Nutzer KI nutzen, könnte die soziale Wirkung von Sprachmodellen erweitern – doch die Qualität, Authentizität und ethische Implikationen dieser Nutzung bleiben kritische Fragen für die Zukunft.
