Intel-Chef Tan: Chip-Fehler führen zu Kündigung
Seit Lip-Bu Tan zum Vorstandsvorsitzenden von Intel ernannt wurde, steht das Unternehmen an der Schwelle zu einem fundamentalen Wandel. Die neuen Strategien des Unternehmens beginnen nun, konkrete Gestalt anzunehmen. Bekannt war bereits, dass Tan jede Chipdesign-Entscheidung persönlich prüft und genehmigt, bevor die Produktion startet. Die aktuelle Offenbarung zeigt jedoch, dass seine Erwartungen noch weit höher angesiedelt sind. Tan fordert, dass Chips bereits bei der ersten Revision, der sogenannten A0-Version, vollständig fehlerfrei und für die Massenproduktion bereit sein müssen. Dies ist eine Abkehr von der bisherigen Praxis bei Intel, bei der es in der Vergangenheit häufiger vorkam, dass Produkte mit Bugs die Produktion verließen und erst später korrigiert werden mussten. Auf der JP Morgan Global Technology, Media and Communications Conference äußerte Tan seine neue Unternehmenskultur sehr deutlich. Sein Ziel ist es, eine „First-Time-Right"-Mentalität zu etablieren. Das bedeutet konkret, dass das Design bei der ersten Übergabe an die Fertigung (Tape-Out) sofort funktionsfähig sein muss. Tan definierte dazu klare Konsequenzen für das Management: „A0 zur Produktion" sei das Ziel. Sollte ein Design jedoch erst bei der Revision B0 oder höher fehlerfrei sein, drohen drastische Maßnahmen. In einem scharfen Ton erklärte der CEO: „Wer eine B0-Revision hat, behält seinen Job. Alles darüber hinaus führt zur Entlassung." Diese Aussage verdeutlicht, dass die bisherige Akzeptanz von Fehlern, die erst im Nachhinein behoben werden müssen, nicht mehr Teil der Intel-Strategie ist. Anfangs hatten einige Mitarbeiter diese harten Worte möglicherweise als Scherz aufgefasst. Tan hat jedoch schnell die Ernsthaftigkeit seiner Forderungen unter Beweis gestellt. Er hat sich intensiv mit allen Design-Aspekten, aufgetretenen Fehlern und der verwendeten IP (Intellectual Property) auseinandergesetzt. Bevor ein Design überhaupt in die Fertigung geht, durchläuft es nun eine rigorose Zertifizierung. Tan betont, dass diese neue Kultur unerlässlich ist, um die Qualitätsstandards wieder auf ein Niveau zu heben, das der Marktführerschaft entspricht. Die interne Kommunikation zeigt, dass sich die Mitarbeiter zunehmend daran gewöhnen, dass die Anforderungen von der Spitze des Hauses nicht mehr verhandelbar sind. Die Einführung dieser strengen Qualitätskontrollen soll langfristig nicht nur die Zuverlässigkeit der Prozessoren steigern, sondern auch Zeit und Ressourcen sparen, die bisher für Nachbesserungen in der Lieferkette aufgewendet wurden. Kritiker mögen die Härte dieser Maßnahme bedauern, doch für einen Hersteller im Hochtechnologie-Sektor ist die Vermeidung teurer Rückrufaktionen und reputationsschädigender Fehler überlebenswichtig. Durch die direkte Verantwortung von Lip-Bu Tan für das Design und die unmissverständlichen Drohungen bei Abweichungen setzt das Unternehmen ein klares Zeichen: Fehler werden bei der ersten Revision nicht toleriert. Dieser kulturelle Wandel markiert einen entscheidenden Moment in der Geschichte des Traditionsunternehmens und soll Intel wieder auf den Kurs des technologischen Vortritts führen.
