Google vermarktet KI-Chips über Cloudpartner
Google vollzieht eine Neuausrichtung seiner Cloud- und KI-Chipstrategie und öffnet die eigenen Tensor Processing Units erstmals für einen externen Cloud-Partner. Einen Tag vor der Vorlage der Quartalszahlen kündigte der US-Konzern Alphabet an, dass Oracle die TPUs künftig über seine Infrastruktur anbieten wird. Erstmals können Kunden die seit 2013 entwickelten KI-Chips damit außerhalb des Google-eigenen Rechenzentrums nutzen. Der Schritt zeigt, dass Google Cloud angesichts des rasch wachsenden Markts für KI-Beschleuniger nicht länger nur auf das eigene integrierte Full-Stack-Angebot setzt, sondern über die Vermarktung der TPUs zusätzliches Wachstum sucht. Damit erhöht der Konzern den Druck auf Nvidia, das den Markt für KI-Chips dominiert. Der Kurswechsel geht maßgeblich auf Cloud-Chef Thomas Kurian zurück, der vor seinem Wechsel zu Google Ende 2018 mehr als 20 Jahre bei Oracle gearbeitet hatte. Für das dritte Quartal rechnen Analysten mit einem Umsatzplus von Google Cloud um rund 90 Prozent gegenüber dem Vorjahr, nachdem das Wachstum im zweiten Quartal 82 Prozent betrug. Auch die TPUs sollen zu dieser Beschleunigung beitragen. Die Umsatzschätzungen für das Chipgeschäft streuen allerdings stark. TD Cowen erwartet für das zweite Halbjahr Erlöse von 9,4 Milliarden Dollar und 62,5 Milliarden Dollar im Jahr 2027; Wells Fargo rechnet im dritten Quartal mit etwa 9 Milliarden Dollar und im Folgejahr mit 99 Milliarden Dollar. Finanzchefin Anat Ashkenazi hatte im Juli betont, dass aus bestehenden Verträgen nur ein kleiner Teil des TPU-Umsatzes im laufenden Jahr und der Großteil erst 2027 verbucht werde. Google baut das TPU-Geschäft insbesondere über große Kunden und neue Finanzierungsmodelle aus. Der bislang größte externe Abnehmer ist das KI-Unternehmen Anthropic, das im vergangenen Oktober vereinbarte, bis zu eine Million TPUs zu nutzen. Der Deal hat laut Schätzungen einen Umfang von mehreren Dutzend Milliarden Dollar und soll in diesem Jahr fast eine Gigawatt Leistung bereitstellen. Gleichzeitig plant OpenAI, TPUs von Google zu kaufen. Für Anthropic wurde zudem ein über Broadcom vermittelter Finanzierungspfad im Volumen von 63 Milliarden Dollar bekannt. Der Fonds, der von Blackstone und mehreren großen Banken getragen wird, soll TPUs und Netzwerktechnik von Broadcom erwerben und Anthropic für fünf Jahre zu leasen. Analysten sehen darin etwa die Hälfte des 2027 erwarteten Bedarfs gedeckt. Anthropic betont zugleich, mehrere Chiplieferanten wie Google, Amazon, Nvidia und AMD einzusetzen, um je nach Anwendungsfall die beste Kombination aus Preis, Leistung und Effizienz zu erzielen. Der Broadcom-Deal unterstreicht für Google, dass die TPUs zunehmend als eigenständige Ware auf dem KI-Rechenmarkt auftreten. Für die Cloud-Plattform von Google, die bei den Ausgabenvolumina hinter Amazon Web Services und Microsoft Azure liegt, bedeutet die Öffnung für Oracle, dass Google die Skalierung seiner KI-Infrastruktur schneller vorantreiben kann, ohne das gesamte Wachstum im eigenen Netz zu stemmen.
