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KI-Erschöpfung bei Entwicklern: Mehr Produktivität, aber auch mehr Erschöpfung

Ein Softwareingenieur warnt vor „AI-Erschöpfung“ – ein Phänomen, das zunehmend viele Entwickler betrifft. Siddhant Khare, Softwareingenieur bei ONA, beschreibt in einem Essay, dass KI-Tools zwar seine Produktivität erhöht haben – er habe in letzter Zeit mehr Code geschrieben als je zuvor –, gleichzeitig aber auch ein tiefgreifendes, kaum zu überwindendes Ermüdungsgefühl erlebt. Was ursprünglich die Arbeit erleichtern sollte, hat sich in eine endlose Flut von Pull Requests, Reviews und kontinuierlichen Kontextwechseln verwandelt. „Wir nennen uns jetzt nicht mehr Ingenieure, sondern Reviewer“, sagt Khare. „Es fühlt sich an, als würde man an einer endlos laufenden Produktionslinie ständig Genehmigungen erteilen.“ Der Kern des Problems: KI reduziert den Aufwand für die eigentliche Codierung, erhöht aber die Belastung durch Koordination, Entscheidungsfindung und Qualitätssicherung. Khare beschreibt, dass er nun nicht mehr in tiefen, konzentrierten Arbeitsphasen arbeitet, sondern zwischen bis zu sechs verschiedenen Aufgaben hin- und herwechselt – jeweils „nur eine Stunde mit KI“. Doch diese kontinuierlichen Wechsel sind für das menschliche Gehirn extrem kostspielig. Während die KI unermüdlich bleibt, leidet der Mensch unter mentaler Erschöpfung. Reaktionen aus der Community bestätigen Khare: Auf Plattformen wie X, Hacker News und Lobsters berichten Entwickler von ähnlichen Erfahrungen. Einige scherzen über „Claude-Code-Workouts“ – Bewegung am Stehplatz, um die geistige Konzentration zu halten. Andere beschreiben ihre Arbeit als eine endlose Wartezeit auf KI-Antworten, die dann wieder korrigiert werden müssen. Die alte Tiefe der Arbeit ist verloren: „Ich verlor mich früher stundenlang in der Konzentration. Heute schicke ich einen Prompt, warte, schweife ab, surfe.“ Ein achtwöchiger Studienbericht des Harvard Business Review bestätigt diese Beobachtung: KI-Tools vergrößern nicht die Arbeitszeit, sondern intensivieren sie. Die ursprüngliche Begeisterung verfliegt, und die Belastung steigt – mit Folgen wie kognitiver Erschöpfung, Burnout und vermindertem Urteilsvermögen. Ein weiterer Aspekt ist der Druck, stets auf dem neuesten Stand zu sein. Die rasante Entwicklung bei OpenAI, Anthropic und anderen führt zu FOMO (Fear of Missing Out). Khare gab zu, Wochenenden damit verbracht zu haben, Changelogs zu lesen, Demos anzuschauen und neue Tools auszuprobieren – aus Angst, zurückzubleiben. Doch diese ständige Suche nach dem „nächsten Großen“ führt zu Überlastung. Am beunruhigendsten ist, dass KI die eigenen Fähigkeiten untergräbt. Khare berichtet, dass er sich bei der Lösung eines Konkurrenzproblems am Whiteboard ohne Laptop und KI hilflos fühlte – wie jemand, der nach Jahren mit GPS nicht mehr ohne navigieren kann. Auch Andrej Karpathy, ehemaliger AI-Chef bei Tesla, warnt vor „Skill Atrophy“: „Ich merke, wie meine Fähigkeit, Code manuell zu schreiben, langsam schwindet.“ Um sich zu retten, hat Khare eigene Regeln aufgestellt: 14 Tage ohne KI-Verwendung, zeitliche Grenzen bei der Nutzung. Doch die Disziplin bleibt schwierig. Er fordert auch die KI-Unternehmen auf, „Schutzmaßnahmen“ einzuführen – wie bei Sucht-orientierten Spielen –, um zu verhindern, dass Nutzer sich selbst überfordern. Die Debatte zeigt: KI ist kein Allheilmittel. Die Herausforderung liegt nicht in der Technologie selbst, sondern in der menschlichen Fähigkeit, sie nachhaltig und gesund einzusetzen.

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