Cisco-Aktie fällt trotz besserer Zahlen nach mittelmäßiger Prognose
Cisco verzeichnete im vierten Quartal ein deutliches Wachstum bei Umsatz und Gewinn, das die Erwartungen der Analysten übertraf, doch der Aktienkurs sank in der Erweiterungshandelszeit um rund 7 Prozent. Der Grund dafür war eine eher bescheidene Prognose für das laufende Quartal, die zwar die Erwartungen erreichte, aber nicht übertreffen konnte. Der Umsatz stieg um etwa 10 Prozent auf 14 Milliarden Dollar – deutlich über dem Vorjahreswert. Das Nettogewinn stieg auf 3,18 Milliarden Dollar (80 Cent je Aktie), gegenüber 2,43 Milliarden Dollar (61 Cent) im Vorjahresquartal. Die angepassten Zahlen berücksichtigen keine Aktienbasierten Vergütungen. Für das aktuelle Quartal erwartet Cisco einen angepassten Gewinn je Aktie zwischen 1,02 und 1,04 Dollar sowie einen Umsatz von 15,4 bis 15,6 Milliarden Dollar. Analysten von LSEG hatten durchschnittlich 1,03 Dollar Gewinn und 15,18 Milliarden Dollar Umsatz erwartet. Obwohl die Zahlen die Erwartungen erfüllen, reichte dies nicht aus, um den Markt zu überzeugen. Investoren hatten erhofft, dass Cisco stärker in die KI-Revolution eingebunden ist, insbesondere im Bereich Data Center und Netzwerkinfrastruktur. Die Firma verzeichnete dennoch eine bemerkenswerte Entwicklung: 2,1 Milliarden Dollar an KI-Infrastruktur-Aufträgen kamen von Hyperscalern – darunter große Cloud-Anbieter wie Amazon und Microsoft. Das Kerngeschäft, die Netzwerktechnologie, wuchs um 21 Prozent auf 8,3 Milliarden Dollar – deutlich über den erwarteten 7,9 Milliarden Dollar nach Angaben von StreetAccount. Cisco kündigte zudem eine Kooperation mit Advanced Micro Devices (AMD) für ein KI-Projekt in Saudi-Arabien an und stellte einen neuen Netzwerkschalter vor, der einen Nvidia-Chip enthält. CEO Chuck Robbins betonte, dass die geopolitischen Entwicklungen („sovereign side“) im laufenden Jahr keine signifikante Wirkung auf das Wachstum haben werden. Die Wachstumsdynamik aus dem Segment der „Neoclouds“ – jüngeren Cloud-Anbietern, die nicht zu den etablierten Playern wie AWS oder Azure gehören – soll erst ab der zweiten Hälfte des laufenden Fiskaljahres anziehen und sich im Jahr 2027 verstärken. Die steigenden Preise für Speicherchips, getrieben durch die hohe Nachfrage nach Nvidia-GPUs, beeinflussen auch Cisco. Das Unternehmen kündigte Preisanpassungen und Anpassungen an Verträge mit Kanalpartnern an. Robbins glaubt jedoch, dass Kunden nicht massiv vorzeitig einkaufen werden – insbesondere im Networking-Bereich sei dies kein großes Trendphänomen. Für das Fiskaljahr 2026 rechnet Cisco mit einem angepassten Gewinn je Aktie zwischen 4,13 und 4,17 Dollar und einem Umsatz von 61,2 bis 61,7 Milliarden Dollar – ein Wachstum von 8,5 Prozent. Die Markterwartungen lagen bei 4,12 Dollar Gewinn und 60,74 Milliarden Dollar Umsatz. In der Branche wird die Reaktion auf die Prognose als enttäuschend bewertet. Experten sehen in der KI-Entwicklung eine Chance, die Cisco bisher nicht voll ausschöpft. Obwohl das Unternehmen technisch gut positioniert ist, fehlt der Eindruck einer strategischen Beschleunigung im KI-Zeitalter. Cisco bleibt ein führender Netzwerkkontrahent, doch die Erwartungen an eine größere Rolle im KI-Ökosystem sind höher. Die Aktie bleibt unter Druck, obwohl die Fundamentaldaten solide sind.
