Anthropic rekrutiert Ex-Google- und OpenAI-Talente für Chips
Anthropic baut konsequent eine eigene Hardware-Abteilung auf und hat die strategische Besetzung seines neuen Chip-Design-Teams bekanntgegeben. Das Unternehmen rekrutiert erfahrene Ingenieure mit Gehältern bis zu 485.000 US-Dollar, um die Architektur von Inferenz- und Trainingschips vollständig in die eigene Hand zu nehmen. Ein Schlüsselerfolg ist der Wechsel von Amir Salek vom US-Konzern Google zu Anthropic. Salek, langjähriger Leiter der Custom-Chip-Abteilung und Mitgestalter der ersten sieben TPU-Generationen, wird sich direkt James Bradbury, dem Verantwortlichen für die Recheninfrastruktur, unterstellen. Er folgt auf Clive Chan, einen der frühen Entwickler des Chip-Teams von OpenAI, der bereits im Juni zu Anthropic gewechselt ist. Die gezielte Ansammlung von Branchenexperten aus der GPU- und spezialisierten KI-Hardware-Entwicklung unterstreicht den strategischen Fokus auf die enge Verzahnung von Hard- und Softwareentwicklung sowie die Optimierung von Low-Level-Compilern. Parallel zur Inhouse-Strategie sichert Anthropic massiv externe Rechenkapazitäten. Durch Partnerschaften mit Google, Broadcom und Amazon Web Services werden bis 2027 mehrere Gigawatt an TPU- und Trainium-Kapazitäten sowie eine zehnjährige Investition von über 100 Milliarden US-Dollar in Cloud-Infrastruktur garantiert. Die eigene Chip-Entwicklung dient daher nicht dem Ersatz externer Anbieter, sondern der langfristigen Architekturkontrolle, Kosteneffizienz und der spezifischen Optimierung für Claude-Modelle. Ein Novum im Hardware-Engineering ist die direkte Einbindung von KI in den Entwicklungsprozess. Anthropic trainiert Claude explizit für Aufgaben der Halbleiterentwicklung. Für die Stelle eines Research Engineers im Bereich Chip Design RL werden Gehälter zwischen 500.000 und 850.000 US-Dollar angeboten. Kernaufgabe ist die Entwicklung von Reinforcement-Learning-Umgebungen zur Automatisierung von RTL-Code-Generierung, formaler Verifikation und physischer Designoptimierung. Zugleich wird Claude bereits jetzt in die Workflows von Chip-Ingenieuren integriert, um Code-Reviews, Abdeckungsanalysen und Spezifikationsprüfungen zu unterstützen. Durch die Kombination aus klassischem Hardware-Talent-Aufbau und KI-gestützter Entwicklungsoptimierung positioniert sich Anthropic strategisch im KI-Infrastrukturwettbewerb. Der Ansatz zielt darauf ab, Abhängigkeiten von Standardhardware zu reduzieren, Entwicklungszyklen zu verkürzen und maßgeschneiderte Beschleuniger für komplexe neuronale Netze zu schaffen. Gelingt die Umsetzung, könnte dies den industriellen Trend hin zu KI-assistierter Hardware-Entwicklung nachhaltig beschleunigen.
