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Vibe-Coding: Der "DIY-Programmierung"-Hype im KI-Zeitalter

Jedes Mal, wenn man jemanden sieht, der in einer U-Bahn oder einem Supermarkt ChatGPT öffnet, entsteht ein unterschwelliger Befürchtungsgedanke: Müssen wir uns wirklich für grundlegende Fragen auf KI verlassen? Doch Daten zeigen, dass etwa ein Drittel der Amerikaner mehrmals pro Woche mit KI interagiert – dies ist zur Lebensnormalität geworden. Als ich beauftragt wurde, einen Bericht über „Vibe Coding" zu verfassen, war ich ebenfalls voller Zweifel. Dennoch stieß ich auf eine Gruppe von Nutzern unterschiedlichen Alters und verschiedener Berufe, die sichtlich Freude daran haben – sie bieten Nicht-Tech-Nutzern genau wie damals bei der Anpassung von Tumblr-Blog-Themen „praktische Technologie". Der 31-jährige Shayan Mirzadeh fiel im Studium zweimal durch Informatik-Kurse, nutzt heute jedoch Vibe Coding, um verschiedene kleine Anwendungen für Familie und Freunde zu erstellen, darunter eine App zum Tracking von Fitnessübungen seiner Verlobten sowie gemeinsam mit seinem Kollegen Jayne Ingram-Roberts das Website-Instrument „Seatbee", das Hochzeitsplatzpläne generiert und bereits über 200 Nutzer zählt. Ein Wendepunkt dieser Bewegung trat im November 2025 ein. Die Veröffentlichung spezialisierter Programmiermodelle wie Anthropics Claude Opus 4.5, Googles Gemini 3 und OpenAIs GPT-5.1 ermöglichte es der KI nun, Code eigenständig zu schreiben, auszuführen und zu debuggen. Der bekannte Programmierer Paul Ford merkte an: „Code läuft entweder oder er läuft nicht; Computer interessieren sich nicht dafür, ob er Unsinn ist." Im Gegensatz zu Unternehmensanwendungen, die ausschließlich auf Funktionsvielfalt setzen, geht beim Vibe Coding vom „einzelnen konkreten Problem" aus und erzeugt eine Lösung, die gerade eben ausreichend ist. Feuerwehrmann Joe Poynton nutzte diese Methode, um seine Einkaufsliste nach den Regalreihen eines Supermarkts zu sortieren; Professor Kyle Jensen von der Yale Business School entwickelte damit eine SAT-Vorbereitungs-App für sein Kind. Das Kernstück dieses Hypes liegt nicht darin, die Welt zu verändern, sondern normalen Menschen ihre technologische Selbstbestimmung zurückzugeben – mithilfe der KI eigene Dinge erledigen und dabei etwas lernen. Wie der Autor selbst nach dem Ausprobieren feststellte: „Es hilft dir vielleicht nicht beim Putzen, aber es macht dich glücklich."

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