KI verbessert Brustkrebs-Erkennung in UK um 10,4 %
Eine erste umfassende Bewertung in Großbritannien hat gezeigt, dass künstliche Intelligenz (KI) die Detektionsrate von Brustkrebs im Rahmen des nationalen Screenings um 10,4 % steigern und gleichzeitig den Arbeitsaufwand für medizinisches Personal um mehr als 30 % senken kann. Die Studie, die heute in der Fachzeitschrift Nature Cancer veröffentlicht wurde, wurde von einem Team der University of Aberdeen, NHS Grampian und Kheiron Medical Technologies (heute Teil von DeepHealth Inc.) durchgeführt. Das Untersuchungsprogramm namens GEMINI bewertete den Einsatz der KI-Software Mia bei der Routinescreening-Untersuchung von 10.889 Frauen. Die Ergebnisse belegen, dass KI nicht nur mehr Krebsfälle, insbesondere invasive und hochgradige Tumoren, identifiziert, sondern auch die Zeit bis zur Benachrichtigung betroffener Frauen von durchschnittlich 14 Tagen auf nur drei Tage verkürzt. Dies ist medizinisch von großer Bedeutung, da eine frühere Erkennung den Behandlungserfolg erheblich verbessert. Zudem reduzierte der KI-Einsatz die Zahl der unnötigen Nachuntersuchungen und Biopsien signifikant, was Patientinnen weniger Stress erspart und Gesundheitsressourcen schont. Bisher werden in Großbritannien für jede Mammographie zwei Radiologen hinzugezogen, um Fehldiagnosen zu vermeiden. Trotz dieses doppelten Checks werden jedoch rund 20 % der Krebsfälle übersehen. Umgekehrt werden viele Frauen aufgrund von Fehlalarmen zu weiteren Untersuchungen gerufen, obwohl kein Tumor vorliegt. Ein häufiges Muster zeigt, dass unter fünf gerufenen Frauen nur eine tatsächlich an Brustkrebs erkrankt ist. Durch den Einsatz von KI als zusätzlicher Prüfer oder als Ersatz für einen menschlichen Lesenden bei normalen Befunden konnte das Studien team eine optimale Balance zwischen verbesserter Früherkennung und Entlastung der Arbeitslast erreichen, ohne dass mehr Frauen unnötig nachberufen werden mussten. Dr. Clarisse de Vries von der University of Glasgow, die die Studie leitete, betont, dass diese Ergebnisse entscheidend sind, da das Gesundheitssystem zunehmend unter Arbeitsüberlastung und einem Mangel an Radiologen leidet. Obwohl der nationale britische Screening-Ausschuss den Einsatz von KI im NHS bisher nicht empfiehlt, da er die Datenlage als unzureichend erachtet, liefert diese Studie nun hochwertige Evidenz für die Integration von KI in die klinische Praxis. Professor Lesley Anderson von der University of Aberdeen hob hervor, dass der einzigartige Versuchsaufbau es erstmals ermöglichte, reale Einsatzszenarien umfassend zu simulieren, um politische Entscheidungsträger bei der operationalen Integration zu unterstützen. Niccolo Stefani von DeepHealth erklärte, dass die Studie zeige, wie KI nicht nur die klinische Genauigkeit verbessert, sondern die Gesundheitsversorgung neu gestalten kann. Die Forschung bildet nun die Grundlage für den bevorstehenden EDITH-Trial, der die Evaluation von KI im Brustkrebscreening auf weitere Standorte in Großbritannien ausweiten wird. Die Ergebnisse unterstreichen, dass KI Ärzte unterstützt, Burnout vorbeugt und Krebsfälle entdeckt, die sonst übersehen worden wären, und damit einen signifikanten Schritt in Richtung einer effizienteren und patientenfreundlicheren Gesundheitsversorgung darstellt.
