EY-Experte erkennt AI-Texte an diesen Hinweisen
Joe Depa, global Chief Innovation Officer bei EY, verfügt über eine sogenannte „hohe Sensibilität“ für künstliche Intelligenz – und das, obwohl er selbst ein begeisterter Befürworter der Technologie ist. Als Leiter der globalen KI-, Daten- und Innovationsstrategie bei einem der Big Four-Unternehmen ist Depa maßgeblich beteiligt, wie Mitarbeiter KI in ihrer täglichen Arbeit einsetzen. Er betont, dass KI nicht dazu da sei, menschliche Kreativität zu ersetzen, sondern sie zu verstärken. Gleichzeitig warnt er vor einer Übernutzung: „Es gibt Situationen, in denen es einfach zu viel KI ist – und die Person hat keine eigenen Gedanken eingebracht.“ In solchen Fällen verliert die KI an Effektivität, weil die Arbeit zu einheitlich, unpersönlich und oberflächlich wird. Depa hat mehrere Hinweise identifiziert, die auf KI-generierte Inhalte hindeuten. Bei Texten ist ein häufiges Merkmal eine übermäßig glatte, gleichmäßige Struktur ohne natürliche Schwankungen im Ton oder Fluss. KI-Texte neigen dazu, generisch oder korporativ zu klingen, mit übermäßiger Verwendung von Buzzwords und Standardformulierungen. Auch wiederholte Satzbeginnstrukturen oder Phrasen sind ein Warnsignal. Ein weiterer Indikator sind sogenannte „Halluzinationen“ – also falsche oder erfundene Informationen, die KI-Modelle trotz Fortschritte noch produzieren können. Für präzisere Ergebnisse rät Depa, zunächst selbst zu schreiben: „Schreibe zuerst deine eigene Inhaltsbotschaft, deine Kernbotschaften, deine Argumente – und dann frage die KI, wie du es verbessern kannst.“ So werde KI zu einem echten Denkpartner, der die eigene Überlegung herausfordert, statt sie zu ersetzen. Auch in Präsentationen zeigt sich KI-Übernutzung deutlich: Inhalte werden zu allgemein, fehlen konkrete Beispiele oder Bezugspunkte für die Zielgruppe. AI neigt zudem zu „Hedging“ – also zu vagen, unscharfen Formulierungen, die keine klare Empfehlung geben, sondern stets Alternativen aufzeigen. „Jedes Mal, wenn du vage Aussagen siehst, die eigentlich nichts sagen, denke ich: Das könnte KI sein“, sagt Depa. Seine Beobachtungen spiegeln eine größere Herausforderung wider: Während Unternehmen ihre Mitarbeiter ermuntern, KI zu nutzen, bleibt die Balance zwischen Unterstützung und Abhängigkeit entscheidend. Eine Umfrage von Business Insider mit 220 Befragten ergab, dass 40 % entweder „ja“ oder „manchmal“ angaben, ihre KI-Nutzung am Arbeitsplatz zu verbergen oder herunterzuspielen – aus Angst vor negativen Bewertungen oder als Strategie, ihre eigene Kompetenz zu wahren. Depa betont, dass Authentizität und individuelle Stimme entscheidend sind. Unternehmen, die KI als Werkzeug für menschliche Kreativität nutzen, profitieren am meisten – nicht, wenn sie es als Ersatz für Denken einsetzen. Sein Ansatz: KI als kritischer Sparringspartner, nicht als Redaktionsassistent für Standardtexte.
