Apple spürt globalen Speicherchip-Mangel – Margen unter Druck
Apple beginnt, die Folgen der weltweiten Speicherchip-Knappheit zu spüren, wie CEO Tim Cook auf der ersten Quartals-Gewinnpräsentation des Geschäftsjahres 2026 bekanntgab. Trotz überragender Nachfrage nach den neuesten iPhone-Modellen – deren Umsatz um 23 Prozent stieg – sieht sich das Unternehmen nun mit steigenden Kosten für Speicherchips konfrontiert, die zunehmend Druck auf die Margen ausüben. Apple erzielte einen Umsatz von 143,76 Milliarden US-Dollar und ein Ergebnis je Aktie von 2,84 Dollar, was die Erwartungen der Analysten deutlich übertroffen hat. Dennoch war die hohe Nachfrage so stark, dass Apple das vierte Quartal mit „sehr geringen“ Lagerbeständen beendete und in eine Art „Lieferkettenjagd“ geriet. Der größte Engpass liegt nach Cook in der begrenzten Verfügbarkeit fortschrittlicher Chip-Fertigungsverfahren, die für die Herstellung der eigenen System-on-a-Chip-Prozessoren (SoCs) benötigt werden. Zudem hat die steigende Nachfrage die Flexibilität in der gesamten Lieferkette eingeschränkt. Obwohl Speicherchips bisher nur eine geringe Rolle bei den Margen im Dezemberquartal spielten, erwartet Apple eine deutliche Belastung im zweiten Quartal, was in der Prognose für die Bruttomarge von 48 bis 49 Prozent (im Vergleich zu 48 Prozent im Vorquartal) zum Ausdruck kommt. Cook bestätigte, dass die Preise für Speicherchips „erheblich steigen“ und dass das Unternehmen „eine Reihe von Optionen“ prüfen werde, um die Kosten zu managen. Die Aktie reagierte positiv und stieg nach der Veröffentlichung um rund zwei Prozent. Die Entwicklung ist Teil eines globalen Trends: Die Nachfrage nach Speicherchips steigt rasant, getrieben von der Expansion künstlicher Intelligenz (KI), Smartphones, PCs und Servern. KI-Unternehmen wie Nvidia, aber auch Hersteller von Endgeräten kämpfen um die gleichen begrenzten Ressourcen. Nvidia-Chef Jensen Huang sprach bei der CES 2026 von einem „völlig unversorgten Markt“, der die Arbeitsgedächtnis-Kapazität der weltweiten KI-Systeme tragen werde. Analysten von Counterpoint prognostizieren bis zum zweiten Quartal 2026 Preisanstiege von bis zu 40 Prozent. Samsung und SK Hynix sollen bereits Preiserhöhungen von 60 bis 70 Prozent für Server-DRAM in Aussicht stellen. Laut International Data Corporation befindet sich der Speichermarkt an einem historischen Wendepunkt, bei dem die Nachfrage die Versorgung deutlich übertrifft – ein Trend, der die traditionellen Boom-und-Bust-Zyklen der Branche überwindet. Die Zeiten von preisgünstigem und reichlich vorhandenem Speicher sind nach Ansicht von Branchenexperten vorerst vorbei. Für Unternehmen wie Apple bedeutet dies eine neue Herausforderung: Die Abhängigkeit von knappen, hochwertigen Chips wird kritischer, während die Kostenstruktur unter Druck gerät – ein Zeichen dafür, dass die KI-Revolution auch die Hardware-Logistik tiefgreifend verändert.
