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Apple verliert an Einfluss im globalen Tech-Lieferkettenwettbewerb

Seit über einem Jahrzehnt stand Apple im Zentrum der globalen Techniklieferketten – mit einer so großen Skalierung, dass es Preise bestimmte, Kapazitäten sicherte und die Produktentwicklung seiner Zulieferer maßgeblich beeinflusste. Doch diese Dominanz ist nun brüchig geworden. Laut Brad Gastwirth, Leiter Forschung und Marktdaten bei Circular Technology, ist Apple „nicht mehr der gravitative Mittelpunkt der Hardware-Welt“. Obwohl das Unternehmen weiterhin riesige Mengen an Komponenten kauft und über eine unübertroffene Markenstärke verfügt, ist es nicht mehr der entscheidende Kunde für Chip-Fabriken, Substrat-Hersteller oder Schlüsselzulieferer. Diese Verschiebung ist entscheidend: Wer die größten Mengen eines kritischen Bauteils bestellt, bekommt bessere Preise, stabilere Lieferungen und kann Produkte schneller auf den Markt bringen – Vorteile, die nun zunehmend von den „AI-Giganten“ wie Nvidia sowie den großen Cloud-Playern Amazon, Microsoft und Google („AMG“) genutzt werden. Der deutlichste Hinweis darauf findet sich bei TSMC, dem weltweit führenden Halbleiterhersteller. Während früher iPhone-Chips das Rückgrat des Unternehmens bildeten, macht der Bereich High-Performance Computing – vor allem für AI-Chips von Nvidia und Datenzentren der Cloud-Giganten – mittlerweile rund 58 % des Umsatzes aus. TSMCs CEO C.C. Wei betonte auf der jüngsten Ergebnispräsentation: „Sie zeigen mir Beweise, dass die KI ihre Geschäftsmodelle wirklich stärkt. Sie wachsen erfolgreich und erzielen finanzielle Renditen. Und ich habe ihre Finanzlage überprüft – sie sind sehr reich.“ Diese wirtschaftliche Attraktivität zieht Zulieferer an, die nun ihre Kapazitäten stärker an die Bedürfnisse der AI- und Cloud-Branche ausrichten. Ein weiterer Effekt ist die Umverteilung von Speicherproduktion: Hersteller von DRAM-Speichern schwenken zunehmend von Smartphones und PCs auf die Anforderungen von AI-Servern um. Die Nachfrage nach Speicher ist so stark gestiegen, dass Preise in die Höhe schnellen – was die Margen von Smartphone-Herstellern unter Druck setzt. Nvidia hat langfristige Lieferverträge abgeschlossen, während Apple weniger Verhandlungsspielraum hat. Auch bei kritischen Materialien wie hochwertigem Glasgewebe, das für Chip-Substrate benötigt wird, entstehen Engpässe. Hersteller bevorzugen nun Kunden, die vorausbezahlen und langfristige Verträge abschließen – darunter vor allem AI-Unternehmen. Apple, das diese Substrate in fast allen Produkten verwendet, muss nun mit ihnen um begrenzte Lieferungen konkurrieren und schickt sogar Ingenieure, um alternative Materialien zu testen. Auch die Fertigungspartner reagieren: Foxconn, einst untrennbar mit dem iPhone-Assemblieren verbunden, erzielt mittlerweile mehr Umsatz mit AI-Servern als mit Verbraucherelektronik. Seine wachstumsstärksten Kunden sind nun Nvidia und die Hyperscaler, nicht Apple. Apple bleibt weiterhin ein immenser Kunde, doch die Entscheidungen über Preisgestaltung, Kapazitätsplanung und Lieferzuweisung werden zunehmend von den AI- und Cloud-Unternehmen getragen. „In den 2010er-Jahren setzte Apple den Takt für die Lieferkette“, sagt Gastwirth. „In den späten 2020er-Jahren bestimmen nun Nvidia, die Hyperscaler und die AI-Infrastruktur die Preise, die Zuteilung und die langfristige Kapazitätsplanung.“ Apple lernt, was es bedeutet, nur noch ein großer Kunde unter vielen zu sein – und nicht mehr der Maßstab der Branche. Die Branche sieht in dieser Entwicklung eine strukturelle Neuordnung: Die Macht in der Techniklieferkette verschiebt sich von den Endverbrauchergeräten hin zu den Plattformen, die die KI-Revolution antreiben. Für Apple bedeutet das, dass seine historische Führungsrolle in der Hardware-Entwicklung zunehmend unter Druck gerät – und dass die Zukunft der Technik nicht mehr allein von einem einzigen Smartphone-Hersteller geformt wird.

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