Tech-Cofounder verspottet KI-Kündigungsbriefe
Tuomas Artman, der Mitbegründer des Softwareunternehmens Linear, hat sich humorvoll über die zunehmend häufigen Entlassungsrunden im Zusammenhang mit Künstlicher Intelligenz lustig gemacht. In einer am Freitag auf der Plattform X veröffentlichten Ankündigung stellte er eine Neueinstellung so dar, als wäre es eine Entlassung. Artman zitierte dabei die typischen Standardformulierungen, die Unternehmen oft nutzen, um Reduktionen zu begründen, und wandelte sie ins Positive um. Er schrieb, es sei ein schwerer Tag, an dem er dem Team mitteilte, man habe die schwierige Entscheidung getroffen, die Belegschaft zu vergrößern. Diese Maßnahme sei kein Kostenoptimierungsprojekt und werfe kein schlechtes Licht auf die Leistung Einzelner. Vielmehr reimaginiere das Unternehmen jede Rolle für das Zeitalter der agentenbasierten KI, woraufhin es stelle, sich jedoch dafür entschuldige. Die Posts erreichte innerhalb von wenigen Stunden mehr als 270.000 Aufrufe und erhielt Hunderte von Kommentaren. Zahlreiche Nutzer fragten konkret nach Stellen, was darauf hindeutet, dass der Scherz seinen beabsichtigten Effekt hatte und die Aufmerksamkeit auf die verfügbaren Positionen lenkte. Laut einer Unternehmenssprecherin hat Linear derzeit 25 offene Stellen, während die Karriereseite des Unternehmens 17 Einträge listet. Das Unternehmen plant zudem, im zweiten Halbjahr weitere Stellen auszuschreiben. Der Kontext für diesen Posting ist eine wachsende Welle von Entlassungen in der Tech-Branche. Unternehmen wie Snap, Block, Coinbase und Cloudflare haben in den letzten Monaten Entlassungen angekündigt, bei denen KI als Hauptgrund genannt wurde. Viele Firmen argumentieren, dass sie aufgrund der Effizienzsteigerungen durch KI mit kleineren Teams auskommen können und verwenden dafür ähnliche Sprachmuster. So vertraut geworden ist diese Rhetorik, dass ein Journalist sogar ein Spiel mit leeren Formularen für solche KI-getriebenen Ankündigungen entwickelte. Im Gegensatz zu seinem Wettbewerber Atlassian, der Ende März 10 Prozent seiner Belegschaft entließ und dies mit KI begründete, hat Linear in seiner siebenjährigen Geschichte öffentlich keine Entlassungen bekannt gegeben. Das Unternehmen, das Werkzeuge für Softwareentwickler erstellt, beschäftigt insgesamt nur 141 Mitarbeiter, was im Vergleich zu Atassons rund 16.000 Mitarbeitern vor den letzten Kürzungen deutlich geringer ist. Es bleibt natürlich ein Risiko, derartige wagemutige soziale Medien-Posts zu veröffentlichen. Ein Nutzer in den Kommentaren merkte an, Linear könnte „zerfleischt" werden, falls das Unternehmen in Zukunft doch Entlassungen vornehmen sollte. Artman antwortete daraufhin mit einer humorvollen Geste der Verantwortungsbereitschaft, indem er sagte, er werde die Schuld auf sich nehmen, falls dies geschehen sollte. Der Vorfall unterstreicht die aktuelle Spannung in der Tech-Branche zwischen dem Einsatz effizienter Technologien und den damit verbundenen personellen Konsequenzen.
