AI kann bereits 11,7 % der US-Arbeitskräfte ersetzen
Eine Studie des Massachusetts Institute of Technology (MIT) zeigt, dass künstliche Intelligenz (KI) bereits 11,7 Prozent der US-Arbeitskräfte ersetzen könnte – das entspricht etwa 1,2 Billionen US-Dollar an Jahreslöhnen in Bereichen wie Finanzen, Gesundheitswesen und professionelle Dienstleistungen. Die Forschung nutzte ein simulatives Werkzeug namens Iceberg Index, entwickelt gemeinsam von MIT und dem Oak Ridge National Laboratory (ORNL). Dieses Modell simuliert die Interaktionen von 151 Millionen US-Arbeitnehmern unter Berücksichtigung ihrer Fähigkeiten, Berufe, Aufgaben und geografischer Lage. Es analysiert mehr als 32.000 Fähigkeiten in 923 Berufen über 3.000 Bezirke hinweg und bewertet, welche dieser Aufgaben bereits heute durch bestehende KI-Systeme übernommen werden können. Der sichtbare Teil der „Eisberg-These“ – direkte Arbeitsplatzverluste in Tech-Bereichen wie IT und Software – betrifft nur 2,2 Prozent der Löhne (ca. 211 Milliarden US-Dollar). Der größere, unsichtbare Teil des Eisbergs hingegen umfasst routinemäßige Tätigkeiten in Human Resources, Logistik, Finanzverwaltung und Büroorganisation, die oft in Automatisierungsprognosen unterschätzt werden. Der Iceberg Index ist kein Vorhersagemodell für genaue Zeitpunkte oder Orte von Arbeitsplatzverlusten, sondern ein toolsbasiertes Werkzeug, das den aktuellen Fähigkeitsumfang bestehender KI-Systeme aufzeigt und es Politikern ermöglicht, „was-wäre-wenn“-Szenarien zu testen, bevor sie Milliarden in Aus- und Weiterbildung investieren. Die Forschung wurde mit mehreren Bundesstaaten wie Tennessee, North Carolina und Utah kooperativ erweitert. Tennessee nutzte die Ergebnisse bereits in seinem offiziellen AI Workforce Action Plan, während Utah eine ähnliche Studie vorbereitet. Senatorin DeAndrea Salvador aus North Carolina betont, dass der Index besonders wertvoll sei, weil er auf lokaler Ebene – bis hin zu einzelnen Census Blocks – detaillierte Einblicke in automatisierbare Fähigkeiten und deren wirtschaftliche Auswirkungen auf Bruttosozialprodukt und Beschäftigung liefere. Dies sei entscheidend, da viele Bundesstaaten parallel KI-Arbeitsgruppen einrichten. Ein zentrales Ergebnis: KI-Bedrohungen sind nicht auf technologische Zentren an der Ost- und Westküste beschränkt, sondern betreffen auch ländliche und innenliegende Regionen. Der Iceberg Index bietet eine interaktive Plattform, über die Regierungen verschiedene politische Maßnahmen testen können – von der Umverteilung von Bildungsgeldern bis hin zur Optimierung von Ausbildungsprogrammen. Ziel ist es, Risikohotspots frühzeitig zu erkennen und gezielte Investitionen in Weiterbildung und Infrastruktur vorzunehmen. Prasanna Balaprakash, Direktor von ORNL und Mitentwickler des Index, betont, dass die Technologie als „Sandbox“ gedacht ist – ein Experimentierfeld, nicht ein fertiges Produkt. In Tennessee, wo Kernsektoren wie Gesundheitswesen, Kernenergie, Fertigung und Transport weiterhin physische Arbeit erfordern, geht es darum, KI und Robotik nicht zu ersetzen, sondern zu ergänzen. Die Studie soll helfen, die Transformation der Arbeitswelt proaktiv zu gestalten, statt reaktiv zu reagieren. Die Ergebnisse zeigen, dass KI bereits heute tiefgreifende Veränderungen in der Arbeitswelt auslöst – und dass die Vorbereitung auf diese Veränderung auf allen Ebenen, von der Bundes- bis zur lokalen Ebene, dringend notwendig ist.
