Philips kauft SpectraWAVE, Sergey Brin bedauert Google-Ausstieg
Royal Philips hat angekündigt, dass es die US-amerikanische Firma SpectraWAVE, Inc. übernehmen wird, einen Innovator in der erweiterten Gefäßbildgebung (Enhanced Vascular Imaging, EVI) für Koronargefäße. Die Übernahme, die am 15. Dezember 2025 in Amsterdam bekanntgegeben wurde, stärkt Philips’ Position im Bereich der bildgeführten Therapie, insbesondere in der interventionellen Kardiologie. SpectraWAVE, gegründet 2017 in Bedford, Massachusetts, beschäftigt mehr als 70 Mitarbeiter und entwickelt künstliche Intelligenz (KI)-basierte Technologien zur hochauflösenden intravaskulären Bildgebung und zur angiographiebasierten physiologischen Bewertung. Mit der Integration von SpectraWAVE in das Portfolio von Philips wird die Azurion-Plattform, Philips’ führendes System für bildgeführte Interventionen, weiter ausgebaut. Die HyperVue Imaging System von SpectraWAVE kombiniert DeepOCT (eine fortschrittliche optische Kohärenztomographie) und NIRS (Nahinfrarotspektroskopie) zu einer innovativen Bildgebungstechnologie, die strukturelle und kompositionelle Details der Koronargefäße während minimalinvasiver Eingriffe liefert. Mit automatisierter KI-gestützter Bildanalyse ermöglicht das System eine schnelle und präzise Diagnose. In Kombination mit Philips’ bestehenden Technologien wie Eagle Eye Platinum IVUS und IntraSight erweitert HyperVue das intravaskuläre Bildgebungsspektrum um IVUS, DeepOCT, NIRS und physiologische Leitlinien – alles in einer integrierten Plattform. Zudem bringt SpectraWAVE die X1-FFR-Software, eine KI-gestützte Lösung, die den Fractional Flow Reserve (FFR) aus einer einzigen Angiogramm-Aufnahme berechnet. Damit wird eine nicht-invasive Ischämiebeurteilung möglich, die den Einsatz von Drähten überflüssig macht und die Prozeduren vereinfacht. Philips betont, dass die Übernahme Teil einer strategischen Ausweitung im Bereich der koronaren Intervention ist. Die Kombination aus Hardware, Software und KI soll klinische Entscheidungen, die Durchführung und die Bestätigung von Behandlungen in einem einzigen Schritt ermöglichen. Laut Roy Jakobs, CEO von Philips, unterstreicht die Akquisition die globale Führung des Unternehmens in der bildgeführten Therapie. Eman Namati, CEO von SpectraWAVE, sieht in der Partnerschaft die Chance, die Technologien HyperVue und X1-FFR in die weltweit führende Azurion-Ökologie zu integrieren und so die Versorgung von Millionen von Patienten mit koronarer Herzerkrankung zu verbessern. Die koronare Herzerkrankung, die weltweit über 300 Millionen Menschen betrifft, ist die häufigste Herzkrankheit, und wachsende wissenschaftliche Evidenz belegt, dass die Verwendung von intravaskulärer Bildgebung und physiologischer Bewertung die Patientenoutcome signifikant verbessert. Parallel dazu erzählt Google-Mitbegründer Sergey Brin in einer Rede an der Stanford University, wie er nach einer kurzen Ruhepause 2019, die er sich mit dem Studium der Physik und dem Verweilen in Cafés vorgestellt hatte, wieder in die Entwicklung von KI-Technologien zurückkehrte. Die Pandemie machte die ursprünglichen Pläne zunichte, und Brin fühlte sich geistig abgestumpft. Als Google die Büros wieder öffnete, kehrte er zurück – und begann an Gemini, Google’s zentralem KI-Modell. Er betont, dass die technische Kreativität für ihn unverzichtbar sei und dass eine langfristige Ruhe eine große Fehlentscheidung gewesen wäre. Brin kritisiert, dass Google zuvor zu wenig in KI investiert und Angst vor fehlerhaften Chatbots hatte, während OpenAI diese Chance nutzte. Dennoch sieht er in Googles Stärken – wie maßgeschneiderte KI-Chips, riesige Rechenzentren und langjährige Forschung – einen entscheidenden Vorteil. Er warnt vor dem Verzicht auf technische Studiengänge, da KI auch in Geisteswissenschaften überlegen sein könnte. Brin räumt ein, dass er mit Google Glass den Fehler gemacht habe, ein Produkt zu früh auf den Markt zu bringen – ein Fehler, den viele Gründer machen. Heute treibt ihn die rasante Entwicklung von KI weiterhin an: „Wenn man die Nachrichten eine Woche lang verpasst, ist man schon im Rückstand.“
