Amazon entlässt Mitarbeiter per Textnachricht am frühen Morgen
Amazons Hauptniederlassung in Seattle war am Dienstagmorgen Schauplatz einer massiven Entlassungswelle. Etwa 14.000 Mitarbeiter erhielten ihre Kündigung per Textnachricht, wie mehrere Quellen und gesichtete Screenshots von Business Insider belegen. Die Nachrichten, die kurz nach E-Mail-Benachrichtigungen versandt wurden, sollten verhindern, dass entlassene Mitarbeiter an ihrem Arbeitsplatz auftauchten, nur um festzustellen, dass ihre Zugangsberechtigungen nicht mehr funktionierten – ein Problem, das bei jüngeren Massenentlassungen bei Unternehmen wie Google und Tesla bereits aufgekommen war. Eine Nachricht bat die Betroffenen, vor dem Bürobesuch ihre persönlichen oder Arbeits-E-Mails zu überprüfen, die zweite forderte auf, eine Hilfsstelle zu kontaktieren, falls keine E-Mail eingegangen war. Amazon gab an, die Kürzungen seien Teil eines Bemühens, die Unternehmensstruktur zu optimieren und schneller innovieren zu können. Viele der betroffenen Mitarbeiter in den USA waren Einzelhandelsmanager, was die fortgesetzte Reduzierung in diesem Bereich unterstreicht. Beth Galetti, HR-Chefin von Amazon, teilte in einer internen Slack-Nachricht mit, dass die entlassenen Mitarbeiter für 90 Tage weiterhin vollständige Bezahlung und Versorgung erhalten würden, zusätzlich zu einer Abfindung. In einem separaten Blogbeitrag erklärte Galetti, dass die Entlassungen trotz des starken Unternehmensergebnisses notwendig seien, da künstliche Intelligenz die Welt rasant verändere. „Diese Generation von KI ist die transformativste Technologie seit dem Internet“, schrieb sie, „und ermöglicht es Unternehmen, schneller zu innovieren als je zuvor – in bestehenden Märkten und ganz neuen.“ Auch in Deutschland wurden Entlassungen durchgeführt. Mitarbeiter erhielten eine Sicherheitswarnung auf ihren Arbeitsgeräten, die auf „reduzierte Funktionalität“ hinwies – ein Status, der typischerweise bei Beendigung oder Umstrukturierung einer Stelle auftritt. Amazon informierte den betrieblichen Vertrauensrat in Deutschland, wie ein internes Memo von Nils Gräf, Direktor für Deutschland, bestätigt. Die Kürzungen betreffen rund 4 Prozent der weltweit etwa 350.000 Corporate-Mitarbeiter von Amazon, insgesamt sind es 1,55 Millionen Beschäftigte weltweit. Tapas Roy, Vice President für Gerätesoftware und -dienste, bat die verbleibenden Mitarbeiter in einer E-Mail, sich verstärkt auf KI zu konzentrieren. Amazon-Chef Andy Jassy hatte bereits früher erklärt, dass das Unternehmen sich wie der „größte Startup der Welt“ verhalten wolle. Obwohl Amazon keine Stellungnahme abgab, verweist das Unternehmen auf Galettis Blogbeitrag. Die Vorfälle verdeutlichen, wie tief künstliche Intelligenz in die strategische Neuausrichtung globaler Technologiekonzerne eingreift – und wie drastisch die Folgen für die Beschäftigten sein können.
