Ellison entkräftet Software-Apokalypse-Furchen
Oracle-Vorsitzender Larry Ellison dementierte auf dem jüngsten Quartalsabschlussgespräch am Dienstag die Befürchtungen, dass Künstliche Intelligenz das Ende für Software-as-a-Service-Unternehmen (SaaS) bedeuten werde. Er bezeichnete die Sorge vor einer sogenannten Saaspocalypse als Problem für andere Firmen, nicht jedoch für Oracle. Ellison argumentierte, dass moderne Coding-Tools es dem Unternehmen ermöglichen, umfassende, agentenbasierte Software zu entwickeln, die komplexe Ökosysteme im Gesundheitswesen oder im Finanzsektor automatisieren und umsetzen kann. Da Oracle diese Technologien aktiv einsetze, sehe sich das Unternehmen selbst als disruptiver Akteur und nicht als Opfer dieser Entwicklung. Diese skeptische Haltung gegenüber der Bedrohung durch KI ist nicht auf Oracle beschränkt, steht jedoch im Kontrast zu jüngsten Marktentwicklungen. Vor etwa einem Monat löste die Veröffentlichung neuer agentenbasierte KI-Tools durch das Unternehmen Anthropic einen starken Rückgang der Aktienkurse bei traditionellen Softwareanbietern wie Salesforce und Asana aus. In dieser angespannten Situation versuchte Oracle-CEO Mike Sicilia, Investoren zu beruhigen. Sicilia betonte, dass KI-Tools und deren Programmierfähigkeiten zwar eine Gefahr darstellen würden, falls man sie nicht nutzt. Da Oracle diese Technologien jedoch bereits rasch adaptiere, sei diese Gefahr gebannt. Das Unternehmen entwickle nicht nur neue SaaS-Produkte auf Basis von KI, sondern integriere auch KI-Agenten direkt in bestehende Anwendungssuiten. Nach Ansicht von Sicilia haben Kunden keine Anzeichen dafür gezeigt, dass sie bereit wären, kritische Systeme wie Einzelhandelsbeschaffungssysteme, Kernbankensysteme oder elektronische Patientenakten aufzugeben. Nischen-KI-Funktionen könnten laut ihm derartige Kernsysteme nicht über Nacht ersetzen. Tatsächlich hörten sie das Gegenteil von ihren Kunden. Diese Strategie, die Bedrohung durch KI-Unternehmen wie Anthropic und OpenAI herunterzuspielen, verfolgen auch andere Branchenriesen. Marc Benioff, CEO von Salesforce, versicherte kürzlich den Investoren, dass der Fokus auf KI-Agenten das Unternehmen vor einer solchen Katastrophe schützen werde. Er meinte sinngemäß, falls es eine Saaspocalypse gebe, würde diese von einem SaaS-Riesen verschlungen, da Unternehmen durch KI-Agenten ihre SaaS-Lösungen noch effektiver nutzen könnten. Auch Aneel Bhusri, CEO von Workday, nahm während eines aktuellen Abschlussgesprächs die Befürchtungen. Er verwies darauf, dass HR- und Unternehmenssoftware-systeme aufgrund komplexer Sicherheits- und Regulierungsanforderungen nicht einfach ersetzt werden können und stellte fest, dass KI-Firmen wie Anthropic und OpenAI ihre eigene Software bereits bei Workday nutzen. Die Führungskräfte dieser Technologiekonzerne betonen also einheitlich, dass KI als Werkzeug dient, um eigene Produkte zu stärken, anstatt sie zu verdrängen. Die Intelligenz der Agenten soll als Ergänzung und Verbesserung bestehender Infrastruktur dienen, wobei die Komplexität und die regulatorischen Hürden in kritischen Branchen eine schnelle Verdrängung durch reine KI-Startups verhindern.
