Künstliche Intelligenz könnte Predatory Journals weniger attraktiv machen
Künstliche Intelligenz (KI) könnte die Attraktivität sogenannter „Predatory Journals“ – wissenschaftliche Zeitschriften, die für die Veröffentlichung Gebühren erheben, aber auf qualitativ hochwertige Begutachtung verzichten – erheblich verringern. In einer Korrespondenz im Fachmagazin Nature argumentieren Alessandro Maria Selvitella von der Purdue University Fort Wayne und Kathleen Lois Foster von der Ball State University, dass moderne KI-Tools, die bei der Manuskriptvorbereitung unterstützen, Forschende in Zukunft weniger Anreize haben werden, in solche Zeitschriften zu publizieren. Diese KI-Plattformen bieten präzise Rückmeldungen zu Argumentationsstruktur, logischer Kohärenz und der Anpassung an die Anforderungen etablierter Fachzeitschriften – Fähigkeiten, die traditionell nur durch umfangreiche Peer-Review-Prozesse und professionelle Lektorate erworben werden. Durch die Verfügbarkeit solcher KI-Unterstützung sinken die Hürden für eine qualitativ hochwertige Manuskriptformulierung erheblich. Forschende, insbesondere aus Ländern mit eingeschränktem Zugang zu wissenschaftlichen Ressourcen oder Sprachkursen, können nun leichter ihre Arbeiten so verbessern, dass sie den Standards etablierter, peer-reviewed Zeitschriften entsprechen. Damit entfällt der frühere Anreiz, auf „Predatory Journals“ zurückzugreifen, die oft als schnelle Publikationsplattformen ohne strenge Qualitätskontrolle gelten. Diese Entwicklung könnte langfristig zur Reduzierung der Zahl solcher unzuverlässiger Publikationsplattformen beitragen und die Integrität der wissenschaftlichen Kommunikation stärken. Die Autoren betonen, dass die ethische und transparente Nutzung von KI in der Forschung weiterhin entscheidend ist. Sie plädieren für klare Richtlinien zur Kennzeichnung von KI-bezogenen Beiträgen in wissenschaftlichen Arbeiten, um Transparenz und Vertrauen zu wahren. Gleichzeitig weisen sie darauf hin, dass KI kein Ersatz für wissenschaftliche Integrität oder kritisches Denken ist, sondern ein Werkzeug, das den Prozess der Forschung unterstützen kann – wenn es verantwortungsvoll eingesetzt wird. Industrieexperten sehen in dieser Entwicklung eine positive Wende: „KI könnte die Ungleichheit im wissenschaftlichen Publikationsprozess verringern“, sagt ein Redakteur aus dem Nature-Portfolio. „Wenn Forschende aus Entwicklungsländern oder mit nicht-englischer Muttersprache besseren Zugang zu hochwertiger Textoptimierung erhalten, sinkt der Druck, auf unzuverlässige Zeitschriften zurückzugreifen.“ Unternehmen wie Elsevier, Springer Nature und Wiley haben bereits KI-gestützte Tools in ihre Publikationsplattformen integriert, um Autoren zu unterstützen. Gleichzeitig bleibt die Herausforderung, KI-Übernutzung und Manipulation zu verhindern. Die Entwicklung von Standards zur KI-Nutzung in der Wissenschaft wird daher weiterhin eine zentrale Rolle spielen.
