NYT-Mitarbeiter erheben Vorwurf der unfairen Arbeitspraxis nach Konflikt mit dem Management wegen KI-Überwachungstools
Soll KI in die Redaktionsräume einziehen und wenn ja – wie? Diese Kontroverse steht nun zur Verhandlung auf dem Tisch. Der Technikgewerkschaft der New York Times mit rund 700 Ingenieurinnen, Ingenieuren, Designerinnen und Datenanalystinnen warf kürzlich vor, dass das Management Pläne sowie Auswirkungen des KI-Einsatzes nicht offenlegt, und erhob Anklage wegen unzulässiger Arbeitspraktiken. Im Mittelpunkt stehen zwei interne Tools: DX, eine Plattform für Engineering-Effizienz, die als „Verbesserung der Entwickler-Experience" beworben wird. Gewerkschaftsvorsitzender Ben Harnett erklärte, DX wurde ursprünglich genutzt, um allgemeine Metriken zu erfassen, nutzt jedoch mittlerweile individuelle Benchmarks – so wurden Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Rahmen von Disziplinarmaßnahmen vorgeworfen: „Sie haben pro Woche nur einen Pull Request abgeschlossen, was 25 % unter dem branchenüblichen Durchschnitt liegt." Die Gewerkschaft sieht darin eine indirekte Einführung von Quoten, bei der die Komplexität ingenieurspezifischer Arbeit auf eine Reihe von Kennzahlen reduziert werde, die jederzeit als Druckmittel missbraucht werden könnten. Das zweite Tool, Glean, integriert firmeninterne Wikis, GitHub-Repositorien, Dokumente und E-Mails und ermöglicht Abfragen durch KI. Die Gewerkschaft hat Grund anzunehmen, dass Formulierungen und Formatierungen aktueller disziplinarischer Mitteilungen direkt von Glean generiert worden sind. Harnett wies darauf hin, dass Glean zudem falsche Inhalte erzeugen kann, welche Nutzerinnen und Nutzer „in Kreise führen". Die Gewerkschaft betrachtet diese Tools grundsätzlich als Überwachungstechnologien gegen Beschäftigte, die mehrere Vertragsklauseln zu Datenschutz, Überwachung und Konsultation verletzen. Ein Sprecher der New York Times kündigte an, man werde sich innerhalb des regulären Vertragsverfahrens äußern. Zurzeit verhandelt die Zeitungsgewerkschaft über einen neuen Vertrag; zentrale Forderungen umfassen: Jeder Einsatz von KI-Tools muss menschliche Beteiligung beinhalten, aus KI generierte Nachrichten müssen klar gekennzeichnet sein, und Mitarbeitende sollen für den Trainingseinsatz ihrer Daten bei KI-Modellen entschädigt werden. Harnett betonte, die Gewerkschaft sei keinesfalls gegen KI – sie widerspreche vielmehr dem Druck durch Kenngrößen wie Token-Konsum: „Dies lenkt lediglich ab und verhindert echte Leistungsfähigkeit – genau das wäre es aber, worauf das Unternehmen eigentlich setzen sollte.“
