Science-Fiction-Community schließt KI ab
In den letzten Monaten haben bedeutende Akteure aus der Science-Fiction- und Popkultur-Szene deutliche Positionen gegen generative KI eingenommen. Die Entscheidungen von San Diego Comic-Con und der Science Fiction and Fantasy Writers Association (SFWA) verdeutlichen die wachsende Ablehnung gegenüber KI-Tools in kreativen Prozessen – ein Trend, der auch von Plattformen wie Bandcamp, die generative KI in der Musikverbreitung verbieten, getragen wird. Anfang Dezember hatte die SFWA ihre Nebula-Awards-Regeln aktualisiert: Werke, die vollständig von großen Sprachmodellen (LLMs) erstellt wurden, waren nicht mehr bewerbungsfähig. Zudem mussten Autoren, die LLMs während des Schreibprozesses nutzten, dies offenlegen, um eine fundierte Bewertung durch die Jury zu ermöglichen. Diese Regelung löste jedoch heftige Kritik aus, da sie als Schlupfloch für teilweise KI-generierte Werke interpretiert wurde. Die SFWA reagierte mit einer Entschuldigung und korrigierte die Regel erneut: Ab sofort sind Werke, die „teilweise oder vollständig mit generativen LLM-Tools erstellt wurden“, nicht mehr für die Nebula-Awards qualifiziert – eine strikte Ausschlussklausel, die auch den Einsatz von KI in jedem Schritt der Entstehung erfasst. Jason Sanford, Autor und Kommentator, begrüßte die Korrektur und betonte, dass er selbst generative KI in seiner eigenen Arbeit ablehnt – nicht nur wegen der Urheberrechtsproblematik, sondern auch, weil KI keine echte Kreativität entfalten könne. Dennoch warnte er vor einer zu engen Definition von KI-Nutzung: Viele gängige Werkzeuge wie Suchmaschinen oder Textverarbeitungsprogramme enthalten bereits LLM-Komponenten, weshalb die Gefahr besteht, dass Autoren, die lediglich moderne digitale Hilfsmittel nutzen, ungerechtfertigt aus Wettbewerben ausgeschlossen werden könnten. Die zunehmende Durchdringung von KI in der Technologie durch große Konzerne macht diese Diskussion besonders brisant. Auch San Diego Comic-Con geriet in die Kritik, als festgestellt wurde, dass KI-generierte Kunst zwar ausgestellt, aber nicht verkauft werden durfte. Nach Protesten von Künstlern wurde die Regel innerhalb kurzer Zeit geändert: „Material, das teilweise oder vollständig durch künstliche Intelligenz erstellt wurde, ist in der Kunstausstellung nicht zulässig.“ Der Leiter der Ausstellung, Glen Wooten, erklärte, dass die vorherige Regelung bereits Jahre bestanden habe und als Abschreckung gewirkt habe, doch die steigende Verbreitung von KI-Kunst erfordere nun eine eindeutigere und strengere Haltung. „NEIN! Einfach und klar“, zitierte Wooten sich selbst. Diese Entwicklungen zeigen, dass kreative Communities zunehmend versuchen, die Grenzen zwischen menschlicher Kreativität und maschineller Generierung zu sichern. Andere Organisationen werden voraussichtlich in diesem Jahr ähnliche Maßnahmen ergreifen, während die Debatte über Definitionen, Urheberrechte und ethische Grenzen weiter anhält. Die KI-Debatte ist damit nicht nur technologisch, sondern auch kulturell und identitätsstiftend für die Zukunft der Kunst und Literatur. In der Branche wird die Haltung als notwendiger Schutz der menschlichen Kreativität gesehen. Experten warnen jedoch vor einer zu rigiden Auslegung, die legitime digitale Werkzeuge diskriminiert. Die SFWA und Comic-Con positionieren sich damit als Vorkämpfer für künstlerische Integrität – doch die Balance zwischen Innovation und Authentizität bleibt eine der größten Herausforderungen der nächsten Jahre.
