Studien: Studenten zweifeln an KI beim Schreiben
Eine aktuelle Studie des Schreibzentrums der Goethe-Universität Frankfurt zeigt, dass Studierende zwar häufig KI-Werkzeuge nutzen, deren Einsatz jedoch ambivalent bewertet wird. Bei mehr als 4.000 Befragten gaben 89 Prozent an, Systeme wie ChatGPT oder DeepL in ihrer akademischen Schreibpraxis zu verwenden. Der Hauptanwendungszweck liegt dabei in der ersten Arbeitshypothese, dem Ideenfindungsprozess sowie der Überarbeitung von Sprache und Stil. Weniger genutzt wird die Technologie zur Analyse von Forschungstexten oder zum Entwurf inhaltlicher Abschnitte, was nur etwa ein Drittel der Befragten berichtete. Die Studierenden versuchen größtenteils, den Einsatz auf als gerechtfertigt empfundene Aufgaben zu beschränken. Dennoch bestehen erhebliche Bedenken hinsichtlich einer Überabhängigkeit und des Verlusts wichtiger Kompetenzen. Über die Hälfte der Befragten fühlt sich bei Nutzung der KI leistungsschwächer in ihrer Unabhängigkeit, und fast die Hälfte fürchtet einen Rückgang kritischen Denkens. Gleichzeitig sind 92,2 Prozent der Meinung, dass sie für die eingereichten Texte persönlich verantwortlich sind, und 78 Prozent halten das eigenständige Schreiben für essenziell zur Ideenentwicklung und zum Lernen. Zehn Prozent lehnen KI-Nutzung komplett ab, während 18 Prozent einen verantwortungsbewussten Umgang pflegen, etwa indem sie KI als Denkanstoß oder methodischen Begleiter nutzen. Dennoch geben 72 Prozent zu, versucht zu sein, bei Leseaufgaben ganze Arbeitsschritte delegieren zu lassen, was Fragen nach der individuellen Urheberschaft aufwirft. Hintergründe für diese Ambivalenz sind Druck durch Zeitmangel, Angst vor schlechten Noten, Motivationsprobleme sowie das Design der Chatbots selbst, das zur intensiven Nutzung einlädt. Die Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass viele Studierende zwar noch über das Bewusstsein verfügen, was beim Delegieren verloren geht, da sie vor der KI-Ära gelernt haben zu schreiben. Diese Situation könnte sich jedoch ändern. Die Studienautorin Nora Hoffmann betont, dass Universitäten jetzt handeln müssen, um zu gewährleisten, dass KI die intellektuelle Eigenleistung der Studierenden unterstützt statt sie zu untergraben. Die Studie empfiehlt keine pauschalen Verbote, sondern fordert institutionelle Maßnahmen, die einen kritischen und reflektierten Umgang mit der Technologie ermöglichen. Das Ziel besteht darin, Studierende zu befähigen, KI als Werkzeug zu nutzen, ohne die Entwicklung eigener Fähigkeiten zu vernachlässigen. Die aktuelle Debatte zeigt, dass die Integration von KI in die akademische Welt komplex und kontrovers ist und eine klare strategische Antwort der Hochschulen erfordert.
