Meta setzt auf humanoiden Roboter mit Software-Plattform
Meta hat sich auf die Entwicklung humanoider Roboter als nächsten großen Wettbewerbsfokus festgelegt – und das nicht nur als Experiment, sondern als strategische Investition in der Größenordnung von Milliarden. Laut CTO Andrew Bosworth hat CEO Mark Zuckerberg im Frühjahr eine interne Forschungsgruppe für Robotik initiiert, die nun mit Hochdruck an der Entwicklung einer Softwareplattform arbeitet. Obwohl Meta intern bereits an einem eigenen humanoiden Roboter, dem „Metabot“, forscht, ist das Hauptziel nicht die Produktion von Hardware, sondern die Schaffung einer lizenzierbaren Software-Infrastruktur – ähnlich wie Google mit Android. Bosworth betont, dass der größte technische Hürde nicht die Hardware, sondern die Software darstellt: insbesondere die fähige, feinmotorische Manipulation. Um dies zu zeigen, nahm er einen Wasserbecher von meinem Tisch, um zu verdeutlichen, wie schwierig es für Roboter ist, sensible Aufgaben wie das sanfte Greifen ohne Zerstörung oder Verschütten durchzuführen. Die Grundlage dafür sei ein „Weltmodell“, das durch Simulationen und sensorische Daten ausgestattet wird, um künstliche Intelligenz mit räumlichem Bewusstsein und kontextueller Wahrnehmung auszustatten. Dazu arbeitet die neue Superintelligence-AI-Lab von Meta – geleitet von ehemaligem Scale-CEO Alexandr Wang – eng mit dem Robotikteam zusammen. Derzeit leitet Marc Whitten, ehemaliger CEO von Cruise, das Projekt. Bosworth hebt die herausragenden Talente hervor, die Meta rekrutiert hat: Sangbae Kim von der MIT, einer der führenden Experten für robotische Bewegung, sowie Jinsong Yu, der die Software für die Orion-AR-Brille entwickelt hatte und nun vom Ruhestand abgezogen wurde. Auch Ning Li, ein langjähriger Meta-Ingenieur, leitet nun die technische Entwicklung. Gegenüber Elon Musks Optimus-Ansatz, der auf rein visueller Datenakquisition basiert, sieht Bosworth kritisch: Während Tesla bei Fahrzeugen genug echte Datensätze sammeln kann, fehlt es Robotern an vergleichbarem Trainingsszenario. Meta will daher nicht nur eine Plattform, sondern auch die notwendigen Datensätze und Simulationen aufbauen, um das „Sensor-Loop“ zu schaffen, das es Roboter erlaubt, wie Menschen aus einer Jeansjacke Schlüssel zu ziehen. Obwohl Meta den Roboterbereich als „AR-Größenordnung“ einstuft, betont Bosworth, dass man nicht unbedingt eine 23-Grad-Freiheits-Hand braucht – zwei Daumen reichen ihm aus. Die strategische Vision ist klar: Meta will nicht der Hersteller sein, sondern der „Backbone“ – eine Plattform, die andere Firmen nutzen können, solange sie die vorgegebenen Spezifikationen erfüllen. Dabei prüft das Unternehmen auch Zusammenarbeit mit Chip-Herstellern wie Nvidia und Qualcomm. Trotz der ambitionierten Ziele bleibt die Strategie noch nicht vollständig ausgearbeitet, doch die Rekrutierung von Spitzenkräften und der Fokus auf Software und Simulation zeigen, dass Meta ernsthaft in die Zukunft der Robotik investiert. Industrieexperten sehen in der Initiative einen mutigen, aber riskanten Schritt. „Meta will nicht nur mitmachen, sondern die Plattform für die nächste Generation von Robotern setzen“, sagt ein Analyst. „Doch die Herausforderung liegt nicht nur in der Technik, sondern in der Skalierbarkeit und dem Markteintritt.“ Die Fokussierung auf Software könnte sich als Vorteil erweisen – wenn die Daten und Modelle wirklich funktionieren.
