AMDs Datenzentrum-Geschäft kämpft mit Chinas Exportbeschränkungen, doch Wachstum erwartet
AMDs Datenzentrum-Geschäft hat im zweiten Quartal 2025 erneut mit erheblichen Herausforderungen zu kämpfen, insbesondere aufgrund der US-China-Handelskonflikte. Nachdem die Trump-Administration im April 2025 die Ausfuhr von AMDs MI308-GPUs und Nvidias H20-GPUs nach China untersagt hatte, musste AMD eine Abschreibung von 800 Millionen US-Dollar vornehmen – ein Schlag für die Datenzentrum-Sparte, die dadurch erstmals seit Jahren in die Verlustzone rutschte. Die Datenzentrum-Abteilung erzielte im Q2 2025 Umsätze von 3,24 Milliarden Dollar (plus 14,3 % jährlich, aber minus 11,8 % im Vergleich zum Vorquartal). Ohne die Abschreibung wäre der operative Gewinn um 645 Millionen Dollar gestiegen, was trotz des Umsatzwachstums eine deutliche Reduktion des Gewinns darstellte. Ein erheblicher Teil des Rückgangs resultierte aus dem plötzlichen Ausfall der MI308-Nachfrage in China, wo Kunden bereits vor der Exportbeschränkung massiv Vorräte angelegt hatten. Doch die Lage könnte sich bald ändern: AMD und Nvidia arbeiten laut Berichten an einem Deal mit der US-Regierung, bei dem jeweils 15 % ihrer AI-Chip-Einnahmen an die US-Finanzbehörde abgeführt werden, um die Lizenz für den Verkauf der „Antares“- und „Hopper“-GPU-Kits an chinesische Kunden zu erhalten. Falls dies gelingt, könnte AMD die MI308-Verkäufe bald wieder aufnehmen – mit einem potenziellen Umsatzplus von mindestens 800 Millionen Dollar in 2025. Die aktuelle Prognose für die Datenzentrum-GPU-Verkäufe liegt bei 6,3 Milliarden Dollar, steigt bei erfolgreicher Rückkehr nach China auf 7,1 Milliarden Dollar – ein Wachstum von 41,4 % gegenüber 2024. Trotz der Schwierigkeiten bleibt die strategische Ausrichtung von AMD klar: CEO Lisa Su betont die starke Nachfrage nach der kommenden MI400-Serie mit „Helios“-Rack-Scale-Architektur, die für 2026 geplant ist. Die MI350X und MI355X zeigen bereits ein positives Wachstum, mit geschätzten 1,17 Milliarden Dollar Umsatz im Q2. Die Prognose für Q3 und Q4 liegt bei 1,9 bzw. 2,1 Milliarden Dollar. Auch die Epyc-CPU-Sparte bleibt stabil: 1,92 Milliarden Dollar Umsatz im Q2, darunter 1,4 Milliarden an Hyperscaler und Cloud-Anbieter (plus 17,5 % jährlich). Ein weiterer Faktor ist die steigende Bedeutung von DPU- und FPGA-Technologien – Pensando und Xilinx tragen jeweils etwa 95 und 55 Millionen Dollar zum Datenzentrum-Umsatz bei. Die Margen bei GPUs bleiben weiterhin unter Druck, doch dank eines 834-Millionen-Dollar-Steuer-Vorteils und Einnahmen aus abgebrochenen Geschäftsbereichen (z. B. ZT Systems) erreichte AMD ein Nettoergebnis von 872 Millionen Dollar. Industrieanalysten sehen in AMD eine robuste Position trotz kurzfristiger Turbulenzen. Die Fähigkeit, HBM-Speicher zu beschaffen, ist der entscheidende Limitierungs faktor – nicht die Nachfrage. Die langfristige Vision von Su, ein Datenzentrum-Geschäft mit „zehn Milliarden Dollar“ jährlich, erscheint realistisch, besonders bei steigender AI-Nachfrage. Die MI400-Serie könnte den Durchbruch für AMD in der AI-Infrastruktur bedeuten. AMD bleibt damit weiterhin ein zentraler Akteur im HPC- und AI-Markt – mit einer starken Roadmap, aber auch mit erheblicher Abhängigkeit von geopolitischen Entwicklungen.
