Investor warnt vor Spekulation im Data-Center-Markt
Ein großer Investor von Groq, Alex Davis, CEO des in Austin ansässigen Investmentunternehmens Disruptive Tech, hat erhebliche Bedenken hinsichtlich des US-amerikanischen Data-Center-Marktes geäußert. In einem Jahresabschlussbrief an Investoren warnte er vor einer „spekulativen“ Entwicklung, bei der viele Eigentümer Data Centers bauen, ohne sichere Nachfrage zu haben. Davis warnte explizit vor der Strategie „Bau es, dann kommen sie“, die er als Falle bezeichnete. Er betonte, dass Großkonzerne wie AWS, Microsoft oder Google ihre Rechenzentren in der Regel selbst betreiben würden – nicht durch Vermieter. Daher sei das Geschäftsmodell von Spekulanten, die auf zukünftige Nachfrage setzen, hochriskant. Davis prognostizierte einen „signifikanten Finanzierungskrisenzeitraum zwischen 2027 und 2028“ für solche spekulativen Landlords. Er unterstrich, dass sein Unternehmen künftig nur noch Investitionen in „Eigentümer und Nutzer“ – also Unternehmen, die ihre Rechenzentren selbst nutzen – unterstützen werde, und warnte vor dem Systemrisiko, das sich aus der Überhitzung des Marktes ergeben könnte. Auf LinkedIn wiederholte er seine Kritik und kritisierte, dass die KI-Boom-Ära zu zu vielen Geschäftsmodellen geführt habe, die keine realistische Gewinnmargenentwicklung zuließen. „Das wird nicht gut enden“, warnte er. Disruptive Tech ist ein bedeutender Investor bei Groq, einem AI-Hardware-Startup, das kürzlich eine 750-Millionen-Dollar-Finanzierungsrunde abgeschlossen hat, bei der fast 350 Millionen Dollar von Disruptive Tech stammten. Die Firma hat zudem Beteiligungen an Unternehmen wie Airbnb, Spotify, Slack sowie an KI-orientierten Firmen wie Shield AI, Palantir und Databricks. Die Finanzierung erfolgte kurz vor der Bekanntgabe eines 20-Milliarden-Dollar-Lizenzvertrags zwischen Groq und Nvidia im November. Davis’ Warnung kommt zu einem Zeitpunkt, an dem Tech-Unternehmen weltweit Milliarden in Data-Center-Bauten investieren. Eine Untersuchung von Business Insider aus Juni zeigte, dass bis Ende 2024 in den USA 1.240 Genehmigungen für bestehende oder geplante Rechenzentren beantragt wurden – fast viermal so viele wie 2010. Diese Zentren verbrauchen enorme Mengen an Energie, Wasser und Land. Städte bieten oft Steuervergünstigungen an, um Unternehmen anzulocken, was die Baugeschwindigkeit weiter beschleunigt. Die zunehmende Infrastrukturbelastung und die Abhängigkeit von kurzfristigen KI-Nachfragespitzen werfen zunehmend Fragen nach der Nachhaltigkeit und wirtschaftlichen Tragfähigkeit des Sektors auf. In der Branche wird Davis’ Warnung als begründet und notwendig angesehen. Branchenexperten betonen, dass der Data-Center-Markt zwar von der KI-Revolution beflügelt wird, aber bereits Anzeichen einer Überkapazität und einer Überbewertung von Immobilieninvestitionen sichtbar sind. Die Risiken einer Überbauung und einer nachfolgenden Abschreibung von Vermögenswerten werden zunehmend diskutiert. Für Groq selbst bleibt die strategische Partnerschaft mit Nvidia weiterhin ein entscheidender Faktor für sein Wachstum – doch die langfristige Marktsituation bleibt unsicher.
