Europäische Unternehmen setzen auf souveräne Clouds für Compliance und Sicherheit
Europäische Unternehmen beschleunigen die Einführung von souveränen Cloud-Lösungen, um strengeren Regulierungen, geopolitischen Risiken und steigenden Anforderungen an Datenhoheit und Transparenz zu begegnen, wie eine neue Studie von Information Services Group (ISG) zeigt. Die Analyse des „2025 ISG Provider Lens® Multi Public Cloud Services“-Berichts für Europa zeigt, dass Unternehmen souveräne Cloud als zentrale Infrastruktur ansehen – nicht mehr nur als Compliance-Maßnahme, sondern als Kernbestandteil für kritische Workloads, Dienstleistungen und KI-Plattformen unter EU-Jurisdiktion. Dieser Paradigmenwechsel verändert die Anbieterlandschaft: Während globale Player wie AWS, Microsoft und Google ihre lokalen Infrastrukturen in Europa ausbauen und regional gemanagte Betriebsmodelle einführen, expandieren regionale Anbieter wie OVHcloud, Deutsche Telekom/T-Systems und Orange Business in regulierten und öffentlichen Sektoren. Die wichtigsten Auswahlkriterien für souveräne Clouds sind laut ISG regulatorische Alignment, operative Resilienz und kommerzielle Transparenz – besonders in hochregulierten Branchen wie Finanzdienstleistungen und öffentlicher Verwaltung. Unternehmen erwarten mehrzonenbasierte Infrastruktur innerhalb der EU, Kundenschlüsselmanagement, policybasierte Dienste für sichere DevOps-Prozesse sowie robuste Katastrophenwiederherstellungsmechanismen. Zudem wird klare Preisgestaltung gefordert, um Kapazitätsverpflichtungen, Nutzung und langfristige Kosten transparent zu machen. Der zunehmende Einsatz von KI treibt die Nachfrage nach souveräner KI-Infrastruktur für Training, Inferenz und Deployment unter EU-Bedingungen voran. Anbieter reagieren mit Zero-Trust-Architekturen, automatisierten Compliance-Tools und Echtzeit-Bedrohungserkennung, um Insider-Bedrohungen und ausländische Überwachung zu minimieren. Zusätzlich setzen Unternehmen auf luftdichte Umgebungen, externe Schlüsselverwaltung und vertrauliche Rechentechnik (confidential computing). Die Beschaffungstrends legen zudem nahe, dass Unternehmen zunehmend europäische Anbieter bevorzugen, um die Kontrolle über Governance zu stärken, rechtliche Risiken zu reduzieren und operative Unabhängigkeit von außereuropäischen Akteuren zu gewährleisten. Die Studie hebt hervor, dass die Integration souveräner Cloud in die IT-Strategie tiefgreifend ist und in Zukunft auch Faktoren wie Open-Source-Interoperabilität und Nachhaltigkeitszertifizierungen an Bedeutung gewinnen werden. Weitere Trends umfassen die Verbreitung fortschrittlicher Verschlüsselung, automatisierter Compliance und der Aufbau von souveränen Cloud-Marktplätzen mit flexiblen Bereitstellungsmodellen. In der Bewertung der 19 Anbieter in der Kategorie „Souveräne Cloud-Infrastruktur“ werden AWS, Deutsche Telekom/T-Systems, Google, Microsoft, Oracle, Orange Business und OVHcloud als Leader identifiziert. LTIMindtree wird als globaler ISG CX Star Performer 2025 für Multi-Cloud-Service-Anbieter ausgezeichnet, basierend auf höchsten Kundenzufriedenheitswerten im ISG Voice-of-the-Customer-Survey. Branchenexperten sehen in diesem Trend eine strategische Antwort auf die zunehmende Digitalautonomie Europas. Die Verschiebung von Compliance hin zu infrastruktureller Kernkompetenz zeigt, dass souveräne Cloud nicht nur eine Reaktion auf Regulierung ist, sondern eine Voraussetzung für Innovation und Sicherheit im digitalen Zeitalter. Unternehmen wie OVHcloud und Deutsche Telekom positionieren sich dabei als Schlüsselakteure im europäischen Cloud-Markt, während globale Player ihre europäischen Präsenzen weiter ausbauen. Die Entwicklung unterstreicht die Bedeutung einer starken, lokal kontrollierten und transparenten digitalen Infrastruktur für die wirtschaftliche und technologische Unabhängigkeit der EU.
