KI-"Internet-Idole" strömen ins Coachella-Festival – die Grenzen zwischen virtuellem Check-in und Realität verschwimmen zunehmend
Das jährliche Coachella-Festival hat kürzlich eröffnet und gilt als wichtige Bühne für globale Influencer und Marken zur Steigerung ihrer Sichtbarkeit. In diesem Jahr zeichnet sich jedoch ein neues Phänomen ab: Immer mehr von KI generierte „virtuelle Influencer" checken auf Social-Media-Plattformen am Veranstaltungsort ein und vermischen sich mit echten Teilnehmern, was es Außenstehenden erschwert, zwischen Echtem und Gefälschtem zu unterscheiden. Berichten zufolge erstellen solche Konten mithilfe von Generative-AI-Tools hochrealistische Personenbilder und Fotos vom Festivalgelände, inszenieren sogar gemeinsame Aufnahmen mit bekannten Künstlern oder Influencern und erwecken den Anschein eines persönlichen Besuchs des Festivals. Einige Profile kennzeichnen sich zwar in der Bio als „digitale Schöpfer", geben aber nicht eindeutig an, dass die Inhalte durch KI erzeugt wurden; andere machen keinerlei Angaben – ihre virtuelle Natur lässt sich nur anhand auffälliger Details im Bildmaterial erkennen. Ein Beispiel ist das Instagram-Konto „Ammarathegoat" mit über 170.000 Followern. Die dort veröffentlichten Bilder zeigen eine weibliche Figur gemeinsam mit Mitgliedern der Kardashian-Jenner-Familie sowie weiteren Influencern, weisen jedoch offensichtliche Verzerrungen auf, die auf KI-Erstellung hindeuten. Ein weiteres Konto namens „Grannyspills" erwähnt in seiner Profilbeschreibung zwar den Einsatz von AI-Werkzeugen und verzeichnet bereits über zwei Millionen Follower, liefert jedoch ebenfalls keine klaren Kennzeichnungen seiner Inhalte. Gleichzeitig sind bekannte virtuelle Influencer wie Lil Miquela erneut beim Festival präsent. Manche Kontos nutzen zudem bezahlte Plattformen, um Nutzer zum Abonnieren weiterer Inhalte anzuleiten und so ihr Monetarisierungspotenzial weiter auszubauen. Branchenanalysten sehen darin einen strategischen Vorteil: Da Coachella als „Olympia der Influencer" gilt, konkurrieren Creator durch die Präsentation ihres Erlebnisses vor Ort um Brandkooperationen und Aufmerksamkeit. Durch KI-generierte Inhalte sinkt die Teilnahmebarriere erheblich. Während einige Marken hohe Summen für echte Creator investieren, liegen die Produktionskosten für virtuelle Inhalte deutlich niedriger, was dazu führen kann, dass kommerzielle Partnerschaften zunehmend auf KI-basierte Accounts ausgerichtet werden. Dieser Trend stößt indes auch auf Kritik. Aufgrund fehlender eindeutiger Markierungen fällt vielen Nutzern schwer, zwischen authentischem und künstlich erzeugtem Inhalt zu unterscheiden; manche glauben Kommentarspalten-Inhalten sogar blindlings. Mit dem wachsenden Einfluss einiger KI-Influencer auf Mikro-Prominente-Niveau verschwimmen die Grenzen zwischen Virtuellem und Realem immer stärker.
