AI-Blase droht 2026 bei Zinserhöhung zu platzen
Die aktuelle KI-Explosion zeigt nach Ansicht des renommierten Ökonomen Ruchir Sharma alle vier klassischen Merkmale einer Blase – und könnte laut seiner Prognose 2026 zusammenbrechen, falls die Zinsen steigen. In einem Gespräch mit Nicolai Tangen, CEO von Norges Bank Investment Management, analysierte Sharma den aktuellen Marktboom mit seinem „Four O’s“-Modell: Überinvestition, Überbewertung, Überbesitz und Überleverage. Jedes dieser Kriterien sei derzeit erfüllt. Die Investitionen in KI in den USA steigen rasant – vergleichbar mit der Dotcom-Blase – während die Bewertungen großer Tech-Unternehmen auf einem Niveau liegen, das durch langfristige Gewinne und freie Cashflows nicht mehr gerechtfertigt ist. Gleichzeitig halten US-Anleger einen Rekordanteil ihres Vermögens in Aktien, wobei der Großteil dieser Positionen im KI-Sektor liegt. Zudem haben Big Tech-Firmen wie Meta, Amazon und Microsoft nach Jahren mit starken Bilanzreserven nun massive Schulden aufgenommen, um im KI-Wettlauf voranzukommen – ein klassisches Zeichen für einen späten Zyklus. Sharma schätzt, dass etwa 60 Prozent des aktuellen US-Wirtschaftswachstums auf KI zurückgehen, sowohl durch direkte Investitionen in Infrastruktur als auch durch den Vermögenswirkungseffekt, der das Konsumverhalten wohlhabender Haushalte anhebt. Doch ohne diesen KI-Puff scheint die zugrundeliegende Wirtschaft schwächer zu sein – ein Hinweis darauf, dass die Märkte zu stark auf einen einzigen Treiber setzen. „Außerhalb der KI gibt es viel Schwäche in der US-Wirtschaft“, warnte Sharma. „Dieser große Wette auf KI muss funktionieren – sonst drohen große Probleme für das Land.“ Das entscheidende Auslösemoment, so Sharma, ist eine Zinserhöhung. Inflation bleibt „störrisch“ und weit von der 2-Prozent-Zielmarke der Fed entfernt. Zudem hat die Zentralbank fünf Jahre in Folge ihr Ziel verfehlt und könnte bald Druck verspüren, Zinssenkungen zu stoppen. Gleichzeitig könnte der KI-getriebene Investitionsboom die Inflation erneut anheizen. „Bei der geringsten Anzeichen für steigende Zinsen wird es Zeit zu sagen: Jetzt ist Schluss“, sagte Sharma. Höhere Zinsen erhöhen die Finanzierungskosten und drücken die Bewertungen von Wachstumsaktien – genau die Dynamik, die Blasen platzen lässt. Er sieht das kritische Jahr 2026 als wahrscheinlichen Wendepunkt, eine Einschätzung, die von anderen erfahrenen Investoren wie Greg Jensen von Bridgewater Associates („die Blase steht vor uns“) und Mel Williams von TrueBridge Capital Partners („viel Zerstörung in den nächsten zehn Jahren“) geteilt wird. Sharma betont jedoch, dass die KI-Blase möglicherweise eine „gute Blase“ sein könnte – ähnlich früheren Technologieblüten, die zwar überzogen waren, aber langfristig produktive Infrastruktur hinterließen. Dennoch werden viele Investoren Schaden nehmen. Als Gegenpol sieht Sharma Qualitätsaktien mit hohen Eigenkapitalrenditen, stabilen Bilanzen und konstanten Gewinnen als besonders attraktiv – eine Gruppe, die während der KI-Hysterie stark unterperformt hat. Diese Unterbewertung, so Sharma, bildet „die beste Investitionsmöglichkeit“ für das Jahr 2026.
