Disney nutzt KI-Tool zur Überwachung von Mitarbeitern
Disney hat ein internes Dashboard eingeführt, das die Nutzung künstlicher Intelligenz durch seine Mitarbeiter überwacht. Dieses Tool namens „AI Adoption Dashboard" wurde entwickelt, um den Token-Verbrauch von KI-Coding-Tools wie Cursor und Claude detailliert zu erfassen. Es zeigt unter anderem an, wie viele Mitarbeiter aktiv KI-Systeme nutzen, wie viele Anfragen gestellt wurden und wie viele Tokens in einem bestimmten Zeitraum verbraucht wurden. Besonders hervorhebend ist eine Rangliste der aktivsten Nutzer, die von einigen Mitarbeitern als „Leaderboard" bezeichnet wird. Die Daten offenbaren ein Phänomen, das als „Tokenmaxxing" bezeichnet wird. Dabei konkurrieren Softwareentwickler untereinander, um den Verbrauch von KI-Tokens zu maximieren. Die mächtigsten Nutzer generieren durchschnittlich hunderte von Anfragen pro Tag und verbrauchen dabei mehrere Millionen Tokens. Ein Mitarbeiter berichtete, dass er während neun Arbeitstagen im April Claude etwa 460.000 Mal aufrief, was einem Durchschnitt von rund 51.000 Aufrufen pro Tag entspricht. Dies wird wahrscheinlich durch autonome Agenten verursacht. Während einige Mitarbeiter versuchen, den Tokenverbrauch zu minimieren, sind andere weniger besorgt, da sie damit rechnen, dass Disney bei einer Obergrenze einfach mehr Kontingent gewährt. Dieses Verhalten steht im Einklang mit der aktuellen Unternehmensstrategie. Manager ermutigen ihre Mitarbeiter zunehmend, KI-Tools häufiger einzusetzen, was zwar die Kosten steigert, aber auch als innovativeres Arbeiten gefeiert wird. Ein Mitarbeiter warnte jedoch, dass diese Begeisterung möglicherweise nicht von Dauer ist. Die Einführung des Dashboards erfolgte bereits Monate vor der Ernennung von Josh D'Amaro zum CEO im März, zeigt jedoch die fortlaufende Strategie des Unternehmens. D'Amaro muss nun die zukünftige AI-Strategie definieren, besonders nachdem eine geplante Partnerschaft mit OpenAI, die Zugang zu ChatGPT und KI-generierten Kurzvideos für Disney+ vorgesehen hätte, gescheitert ist. Disney hat in den letzten Monaten seine KI-Aktivitäten deutlich ausgeweitet und Mitarbeitern unter anderem Claude, Cursor und einen internen Chatbot namens „DisneyGPT" zur Verfügung gestellt. Ein leitender Mitarbeiter bestätigte gegenüber Business Insider, dass künstliche Intelligenz eine „oberste Priorität" für das Unternehmen darstellt. Die Erfahrung von Disney ähnelt Entwicklungen bei anderen Tech-Giganten. Meta hatte zuvor ein ähnliches Dashboard namens „Claudeonomics" eingeführt, um den Tokenverbrauch zu tracken, dieses jedoch bereits im April wieder abgeschaltet, nachdem 60 Billionen Tokens in nur 30 Tagen verbraucht worden waren. Auch Visa setzt auf Incentives, indem es Prämien für starke KI-Nutzer vergibt und derzeit etwa 1,9 Billionen Tokens pro Monat verbraucht. Die Einführung des Dashboards bei Disney wirft Fragen zur Nachhaltigkeit und Effizienz des aktuellen KI-Einsatzes auf. Während hohe Nutzungszahlen zunächst als Erfolgsgarant gefeiert werden, könnte der steigende Kostendruck in Zukunft zu einer Veränderung der Strategie führen. Es bleibt abzuwarten, wie Disney den Balanceakt zwischen Förderung der KI-Nutzung und der Kontrolle der damit verbundenen Kosten bewältigen wird, insbesondere in einer Zeit, in der viele Unternehmen noch ihre langfristigen KI-Pläne definieren.
