Adobe testet KI-Tools für einzeilige Videobearbeitung
Adobe hat auf seiner Max-Konferenz eine Reihe von experimentellen KI-Tools vorgestellt, die die Bearbeitung von Fotos, Videos und Audio revolutionieren könnten. Unter dem Namen „Sneaks“ präsentierte das Unternehmen mehrere prototypische Funktionen, die kreative Prozesse erheblich beschleunigen und intuitiver gestalten sollen. Ein zentrales Highlight ist Project Frame Forward, das es ermöglicht, Änderungen an nur einem einzigen Frame auf die gesamte Videosequenz zu übertragen. So kann beispielsweise eine Person in der ersten Szene einfach ausgewählt und entfernt werden – ohne aufwändige Masken. Die Lücke wird automatisch mit einem konsistenten Hintergrund gefüllt, der an die Umgebung passt, ähnlich wie in Photoshop mit „Context-Aware Fill“. Ebenso kann man über Skizzen und KI-Prompts Objekte in die Szene einfügen, die sich kontextuell verhalten: Ein generierter Pfützenreflex spiegelt beispielsweise die Bewegung einer Katze im Video. Ein weiterer Fokus liegt auf der Lichtgestaltung. Project Light Touch nutzt generative KI, um Lichtquellen in Bildern dynamisch zu manipulieren. Benutzer können die Richtung, Helligkeit und Farbe des Lichts verändern, beispielsweise eine dunkle Zimmerecke plötzlich mit warmem Lamplicht beleuchten oder ein Gesicht von innen leuchten lassen, wie bei einem Kürbis. Die Lichtstrahlen können in Echtzeit über die Bildfläche gezogen und um Objekte herum gebogen werden, was eine neue Dimension der visuellen Gestaltung eröffnet. Für Audio-Editing präsentiert Project Clean Take eine bahnbrechende Lösung: Mit KI-Prompts können Sprecherstimmen nachträglich verändert werden – ohne Neuaufnahme. Man kann die Emotion, Betonung oder sogar einzelne Wörter ersetzen, während die ursprüngliche Stimmfarbe und Identität erhalten bleiben. Zusätzlich kann Hintergrundgeräusch automatisch in einzelne Quellen aufgeteilt werden, sodass beispielsweise ein Hundegebell oder ein Tellerklirren gezielt gedämpft oder verstärkt werden kann. Weitere experimentelle Tools umfassen Project Surface Swap (Materialwechsel an Oberflächen), Project Turn Style (3D-artige Drehung von Objekten in Bildern) und Project New Depths (3D-ähnliche Tiefenwahrnehmung in Fotos, mit realistischer Verdeckung). Obwohl diese Sneaks noch nicht öffentlich verfügbar sind und keine Garantie auf eine Integration in Creative Cloud oder Firefly bestehen, hat Adobe bereits mehrere ehemalige Sneaks wie „Distraction Removal“ oder „Harmonize“ in seine Produkte integriert. Die Entwicklungen deuten auf eine Zukunft hin, in der KI kreative Bearbeitung nahezu automatisiert und intuitiv macht – mit potenziell tiefgreifenden Auswirkungen auf Film, Fotografie und Audio-Produktion. Branchenexperten sehen darin einen Wendepunkt: „Diese Tools könnten die Arbeit von Videobearbeitern und Grafikern grundlegend verändern – nicht durch Entfernung von Menschen, sondern durch Entlastung von Routineaufgaben“, so ein Analyst von TechInsight. Adobe positioniert sich weiterhin als Pionier im Bereich künstlicher Intelligenz in der Kreativsoftware, wobei die Balance zwischen Innovation und ethischer Nutzung weiterhin entscheidend bleibt.
