NYT sued Perplexity wegen verbatim kopierter Artikel
Das New York Times hat die KI-Start-up Perplexity erneut vor Gericht gezogen, diesmal wegen des Verdachts, verbatim oder in wesentlichen Teilen kopierte Inhalte aus den Artikeln des Zeitungsverlags zu verwenden. In der Klage wirft das NYT Perplexity vor, seine urheberrechtlich geschützten Texte ohne Lizenz zu nutzen, um Antworten zu generieren, die nahezu identisch mit den Originalen sind. Diese Antworten, so die Klage, ersetzen den direkten Zugriff auf die Website des Times und schmälern damit erheblich die Einnahmen aus Abonnements, Werbung, Lizenzen und Affiliate-Programmen, die dem Verlag zustehen. Das Unternehmen fordert Schadensersatz und eine dauerhafte Unterbindung der angeblich rechtswidrigen Nutzung seiner Inhalte durch Perplexity. Die Klage ist Teil einer zunehmend härter werdenden Reaktion von Medienhäusern auf die Nutzung ihrer Inhalte durch KI-Systeme. Während frühere Rechtsstreitigkeiten etwa gegen Plattformen wie Google oder Meta vor allem auf die Nutzung von Texten zur Trainingsdatenbasis abzielten, geht es bei Perplexity um eine andere Dimension: Die KI liefert direkt nutzbare Antworten, die oft direkt aus den Artikeln des Times stammen – ohne dass Nutzer die Quelle besuchen müssen. Dies stellt laut NYT eine direkte Konkurrenz dar, da die Nutzer durch Perplexity nicht mehr auf die Website des Times verweisen und somit keine Werbeeinnahmen entstehen. Perplexity reagierte mit einer kritischen Stellungnahme, in der der Sprecher Jesse Dwyer betonte, dass solche Klagen seit dem Aufkommen neuer Technologien – von Radio über das Internet bis hin zu sozialen Medien – immer wieder erfolgten. „Glücklicherweise hat es noch nie funktioniert, sonst würden wir jetzt alle per Telegraph kommunizieren“, schrieb er in einer E-Mail an The Verge. Die Start-up-Gruppe betont, dass ihre KI-Plattform auf eine Vielzahl von Quellen zugreife, darunter auch öffentliche Daten, und nicht ausschließlich auf urheberrechtlich geschützte Inhalte angewiesen sei. Zudem argumentiert Perplexity, dass ihre Antworten aus einer Synthese verschiedener Quellen entstünden und nicht einfach kopiert seien. Die Rechtslage bleibt unklar. Während die US-Verfassung urheberrechtliche Schutzrechte gewährt, ist die Frage, ob die Nutzung von Texten zur Generierung von KI-Antworten als „transformative Nutzung“ gilt, umstritten. Gerichte haben in früheren Fällen, etwa gegen OpenAI und Meta, unterschiedliche Ansätze verfolgt. Die Entscheidung im Fall NYT gegen Perplexity könnte einen Präzedenzfall für die Nutzung von Medieninhalten in KI-Systemen setzen. Industriebeobachter sehen die Klage als Teil eines größeren Konflikts zwischen traditionellen Medien und KI-Unternehmen. Experten warnen, dass eine zu restriktive Auslegung des Urheberrechts die Innovation in der KI-Entwicklung behindern könnte, während Medienvertreter betonen, dass ohne angemessene Entschädigung die Qualität der Inhalte gefährdet sei. Perplexity, gegründet 2023 und mit Sitz in San Francisco, hat sich als „Frage-Antwort-Engine“ etabliert, die auf Echtzeit-Informationen setzt und sich von reinen Suchmaschinen abhebt. Die Firma hat bereits mehrere Millionen Dollar an Investitionen gesammelt, darunter von prominenten Tech-Investoren. Die Klage könnte die Zukunft der KI-Plattformen in der Informationsvermittlung entscheidend beeinflussen.
