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KI-Revolution droht Massenentlassungen und soziale Unruhe

Die rasante Entwicklung künstlicher Intelligenz könnte nach Ansicht der London Business School-Professorin Ekaterina Abramova binnen wenigen Jahren zu einem massiven Arbeitsplatzverlust führen, der schneller voranschreitet als die Schaffung neuer Jobs. Sie warnt vor einem historisch bedeutsamen Arbeitsmarkt-Schock, der durch die einzigartige Beschleunigung von KI-Anwendungen ausgelöst wird. Im Gegensatz zu früheren technologischen Umbrüchen – wie der mechanischen Automatisierung im 18. Jahrhundert oder der industriellen Rationalisierung im 20. Jahrhundert – sei KI nicht auf einzelne Branchen beschränkt, sondern könne gleichzeitig Tausende kognitive Arbeitsplätze in verschiedenen Sektoren wie Recht, Finanzen, Kundenservice und Softwareentwicklung ersetzen. Ein einzelnes KI-Modell könne diese Verdrängung binnen Stunden bewirken, was eine bisher unbekannte Geschwindigkeit und Reichweite darstellt. Abramova erwartet, dass in den nächsten fünf bis zehn Jahren die Zahl der durch KI bedingten Entlassungen die Schaffung neuer Stellen übersteigen wird – besonders ohne umfassende Qualifizierungsprogramme. Bereits mehrere große Unternehmen haben KI als Begründung für Stellenkürzungen genannt. Besonders betroffen sind jedoch Einsteigerpositionen wie Junior-Entwickler, Analysten oder Support-Mitarbeiter, deren Fähigkeiten oft nicht mit den Anforderungen neuer KI-gestützter Rollen übereinstimmen. Peter Orszag, CEO von Lazard und ehemaliger Leiter des US-amerikanischen Budgetamts, bestätigt diese Sorge: Ein schneller, großer Schock auf dem Arbeitsmarkt sei besonders gefährlich, da Märkte sich besser auf kleine, schnelle oder große, langsame Veränderungen einstellen können, aber nicht auf plötzliche, massive Umwälzungen. Die sozialen Folgen könnten gravierend sein. Abramova verweist auf historische Beispiele wie die britischen Enclosure Acts, die Bauern von ihrem Land verdrängten und zu Aufständen führten, oder die Schließung von Kohlegruben in den 1980er Jahren, die ganze Gemeinden zerstörten und politische Unruhen auslösten. Heute droht ein ähnlicher Effekt, wenn Institutionen nicht in der Lage sind, Arbeitnehmer zu schützen und umzuschulen. Ohne rechtzeitige Maßnahmen droht eine Verschärfung sozialer Ungleichheit, sinkende Konsumnachfrage, politische Unzufriedenheit und möglicherweise sogar eine Ausweitung der Überwachung durch staatliche Stellen, um Unruhen zu kontrollieren. Doch Abramova betont, dass diese Entwicklung nicht unvermeidbar ist. Die Alternative liegt in einer „Arbeitnehmer-ergänzenden“ KI, bei der Maschinen datenintensive Aufgaben übernehmen, während Menschen ihre Urteilsfähigkeit, ethische Entscheidungen und Kundenbeziehungen bewahren. Dazu bedürfe es regulatorischer Anreize, die Unternehmen für verantwortungsvolles Handeln belohnen, nicht nur für Kostensenkung durch Personalabbau. Jensen Huang, CEO von Nvidia, vertritt die Ansicht, dass Unternehmen, die KI früh nutzen, letztlich mehr Menschen einstellen werden – nicht weil Roboter arbeiten, sondern weil Menschen, die KI nutzen, wettbewerbsfähiger werden. „Du verlierst deinen Job nicht an einen Roboter, sondern an jemanden, der einen Roboter nutzt“, so Huang. Insgesamt zeigt sich ein geteilter Diskurs unter Führungskräften: Während Anthropic-Chef Dario Amodei und Ford-Chef Jim Farley von breiter Entlassung in der Büroarbeit ausgehen, sehen Elon Musk, Jamie Dimon oder Sam Altman unterschiedliche Szenarien – von tiefgreifender Zerstörung bis hin zu langfristigem Wohlstand. Die entscheidende Frage bleibt: Werden Gesellschaft und Wirtschaft rechtzeitig auf die Herausforderung reagieren, oder wird die KI-Revolution zu einem sozialen und politischen Krisenherd?

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