AI-Grundlagenlabore wie Filmstudios: Kurze Lebenszyklen, hohe Investitionen
Ein Führungskraft von Scale AI hat die Geschäftsmodelle von KI-Grundlagenlaboren wie OpenAI und Meta AI mit Hollywood-Studios verglichen, insbesondere mit Marvel Studios. In einer Episode des „a16z Podcast“ erklärte Ben Scharfstein, Leiter des Produktmanagements für Unternehmensanwendungen bei Scale AI, dass diese Unternehmen weniger wie klassische Softwareunternehmen denn eher wie Filmstudios agieren. Seiner Ansicht nach investieren sie riesige Summen in „Blockbuster“-Projekte – wie zum Beispiel die Entwicklung von GPT-Modellen –, die innerhalb von nur wenigen Monaten ihre Rendite erzielen müssen, danach aber schnell an Relevanz verlieren. „Du investierst eine Milliarde Dollar in ‚The Avengers‘ und erzielst die Rückzahlung innerhalb von 18 Monaten. Danach ist es relativ irrelevant“, sagte Scharfstein. Ähnlich wie Marvel mit seiner Superhelden-Franchise, die sich über Filme, Serien und Merchandising ausdehnt, bauen Unternehmen wie OpenAI eine Serie von GPT-Modellen auf, die auf früheren Versionen basieren. Diese Franchise-Strategie sei zunächst rein content-basiert, doch mit der Zeit könne sie in Software-Produkte übergehen – etwa durch Integration in Anwendungen oder Spiele. Derzeit jedoch ähnele das Geschäftsmodell der KI-Grundlagenlabore mehr einem Content-Studio als einem Softwareunternehmen. Scale AI selbst nutzt Modelle von OpenAI (GPT-4), Cohere (Command) und Meta (Llama 2), um maßgeschneiderte generative KI-Lösungen für Unternehmen zu entwickeln. Die Firma erhielt im Juni 2023 eine Milliardeninvestition von Meta im Wert von 14,3 Milliarden US-Dollar. Zudem arbeitet Scale AI eng mit fast allen führenden LLM-Anbietern zusammen, wie aus einem internen Kunden-Dashboard hervorgeht, das Business Insider einsehen konnte. Trotz des Wachstums musste Scale AI im vergangenen Monat 14 % seiner Belegschaft – rund 200 Mitarbeiter – entlassen, darunter viele aus der generativen KI-Abteilung. In einer internen E-Mail erklärte Interims-CEO Jason Droege, dass die Firma zu schnell Kapazitäten ausgebaut habe, was andere Bereiche wie den öffentlichen Sektor unterfinanziert habe. Die Äußerung von Scharfstein spiegelt eine wachsende Debatte über die Nachhaltigkeit und langfristige Strategie von KI-Grundlagenlaboren wider. Während OpenAI bereits weniger als drei Jahre nach dem Launch von ChatGPT 10 Milliarden Dollar Jahresumsatz erreicht hat, wirft die Vergleichbarkeit mit Filmfranchises die Frage auf, ob solche Modelle nur kurzfristig relevant sind und ob ihre Wertschöpfung letztlich von der Nutzung in Produkten, nicht von den Modellen selbst, abhängt. Branchenexperten sehen in der Äußerung eine kritische Reflexion über die Überschätzung von „Grundlagen-Modellen“ und die Notwendigkeit, in nachhaltigere, produktbasierte Geschäftsmodelle zu wechseln. Scale AI bleibt trotz der Kürzungen ein Schlüsselakteur im KI-Ökosystem – vor allem durch seine Datenannotation und die Integration von Drittanbieter-Modellen. Die Zukunft könnte weniger in der Entwicklung von „Blockbustern“ liegen, sondern in der effizienten Umsetzung von KI in echte Anwendungen.
