Google könnte Chrome verkaufen müssen – Konkurrenten reißen sich darum
Der bevorstehende Gerichtsbeschluss über die mögliche Verkaufspflicht von Googles Webbrowser Chrome könnte eine der größten Umwälzungen im digitalen Ökosystem der letzten Jahrzehnte sein. Ein Bundesgericht hat bereits festgestellt, dass Google durch seine dominante Stellung bei der Internet-Suche und im digitalen Werbemarkt gegen Antitrust-Gesetze verstoßen hat. Nun fordert die Justizbehörde, dass Google seinen Browser abgeben muss, um die Marktmacht zu reduzieren. Chrome ist nicht nur der weltweit meistgenutzte Browser, sondern auch ein entscheidender Kanal für Googles Suchmaschine und andere Dienste – zudem liefert er wertvolle Nutzerdaten. Eine Zwangsveräußerung würde Google erheblichen Schaden zufügen, schätzen Analysten von Barclays zufolge könnte der Aktienkurs um 15 bis 25 Prozent einbrechen. Google wehrt sich und warnt, dass ein Verkauf den Browser „obsolet“ machen und Millionen Nutzer anfällig für Cyberangriffe machen könnte. Dennoch haben mehrere Unternehmen bereits Interesse bekundet. Die AI-Suchplattform Search.com, Tochter des digitalen Marketingunternehmens Public Good, hat einen Angebot von 35 Milliarden US-Dollar abgegeben, unterstützt von JP Morgan und Privat-Equity-Fonds. Die Führungskräfte von Public Good betonen, dass Chrome eine ideale Plattform sei, um ihre künstliche Intelligenz-Technologie weltweit zu skalieren, und versprechen, die Suchfunktion kostenlos und ethisch verantwortungsvoll anzubieten. Ein weiterer Bieter ist Perplexity, ein AI-Suchstart-up, das kürzlich einen eigenen Browser namens Comet vorgestellt hat. Perplexity hat ein Angebot von 34,5 Milliarden Dollar abgegeben, das über seinem gesamten Unternehmenswert liegt – doch mehrere Investoren haben bereits ihre Unterstützung signalisiert. Das Unternehmen verspricht, weiterhin an Chromium, der Open-Source-Grundlage von Chrome, zu arbeiten, und würde Google als Standard-Suchmaschine belassen, Nutzer aber die Möglichkeit geben, diese zu wechseln. Auch OpenAI, der Entwickler von ChatGPT, hat Interesse bekundet. CEO Sam Altman und sein Team sehen in Chrome ein Mittel, um die Marktmacht von Google auszugleichen. Während OpenAI selbst klein im Vergleich zu Google ist, könnte der Erwerb von Chrome eine strategische Wende bedeuten. Ebenfalls interessiert ist Yahoo, das sich mit seinem Mutterunternehmen Apollo Global Management auf eine Übernahme vorbereitet. Yahoo-Manager Brian Provost bezeichnete Chrome als „wichtigsten strategischen Akteur im Web“ und betonte, dass die Kombination mit Apollo die Finanzkraft für einen solchen Schritt biete. Die Entscheidung des Gerichts könnte nicht nur die Zukunft von Chrome, sondern auch die Struktur des gesamten digitalen Marktes verändern. Die Beteiligung von AI-Unternehmen wie Perplexity und OpenAI zeigt, dass die nächste Generation der Such- und Browser-Technologie nicht mehr allein von etablierten Tech-Riesen dominiert wird. Die mögliche Übernahme von Chrome könnte somit den Weg für eine stärkere Diversifizierung und Innovation im Web öffnen – doch auch mit erheblichen Risiken für Nutzer, Sicherheit und Datensouveränität.
