Airtable-Chef ermutigt Mitarbeiter, Zeit für KI-Experimente zu nutzen
Airtable-Chef Howie Liu fordert seine Mitarbeiter, sich bewusst mit Künstlicher Intelligenz zu beschäftigen – selbst wenn das bedeutet, dass sie ihre regulären Aufgaben kurzfristig zurückstellen. In einem Gespräch mit Lenny’s Podcast erklärte der 36-jährige CEO, dass er seinen Mitarbeitern ausdrücklich erlaubt, Meetings zu stornieren, um sich eine ganze Woche lang mit allen relevanten AI-Produkten zu beschäftigen. „Wenn du alle deine Meetings für einen Tag oder sogar eine ganze Woche absagen willst, um einfach mit jedem KI-Tool zu spielen, das du für Airtable relevant hältst – tu es. Punkt.“ Sein Ziel sei es, eine Kultur der Experimentierfreude zu fördern, in der Spielerei und Neugier die Grundlage für Innovation bilden. Liu betont, dass er selbst als „weltweit teuerster Nutzer von Airtable AI“ gilt – nicht nur innerhalb des Unternehmens, sondern auch im Vergleich zu allen Kunden. Er veranschaulicht dies mit der Aussage, dass er Hunderte von Dollar für die Ausführung von KI-Modelle auf Verkaufsgesprächstranskripten ausgibt, nur um tiefere Einblicke zu gewinnen. „Das ist trivial im Vergleich zum strategischen Wert, den solche Erkenntnisse bringen können“, sagt er. Für ihn sei das „unersetzlich“ – vergleichbar mit dem Aufwand, den ein Beratungsunternehmen für eine solche Analyse benötigen würde. Liu ist Teil einer wachsenden Gruppe von Tech-Chefs, die KI-Experimente innerhalb ihrer Unternehmen systematisch fördern. Ähnlich verfährt auch Duolingo-Chef Luis von Ahn, der wöchentlich „F-R-A-I-Days“ einrichtet – eine Art KI-Workshop am Freitagmorgen, bei dem Teams kreative und effiziente Anwendungen von KI testen. Airtable selbst hat sich im Juni von einem klassischen Tabellenkalkulations-Tool zu einer „KI-nativen App-Plattform“ weiterentwickelt. Laut Liu ist diese Transformation durch den Aufstieg von Tools wie Lovable und Cursor vorangetrieben worden, die KI in den Entwicklungskreislauf integrieren. Er sieht in der „Vibe Coding“ – also der kreativen, iterativen Zusammenarbeit zwischen Mensch und KI – die „wirkliche Schlüsselanwendung“ der KI-Revolution. Während Chat-Interaktionen nur für Einzelaufgaben taugen, brauche man echte KI-Apps, um KI-Produktivität zu skalieren. Airtable, 2013 von Liu und Co-Gründer Adam Gross gegründet, beschäftigt mittlerweile über 700 Mitarbeiter und wurde im Dezember 2021 mit einem Wert von fast 12 Milliarden Dollar bewertet. Die aktuelle Strategie zielt darauf ab, Airtable zu einem zentralen Ökosystem für KI-gestützte Anwendungen zu machen – nicht nur als Werkzeug, sondern als Plattform für die nächste Generation von Arbeitsabläufen. In der Branche wird Liu’s Ansatz als mutig und zukunftsweisend bewertet. „Er setzt auf Kreativität statt Kontrolle – und genau das braucht die KI-Ära“, sagt ein Analyst von PitchBook. Andere sehen darin jedoch auch Risiken: „Wenn jeder Tag mit KI-Spielerei verbracht wird, kann das die Produktivität beeinträchtigen“, warnt ein weiterer Experte. Dennoch bleibt Airtable mit seiner Strategie ein Beispiel dafür, wie Unternehmen KI nicht nur technisch, sondern kulturell integrieren können.
