Bryan Johnson will AI-Schutzschild gegen soziale Medien einsetzen
Bryan Johnson, der 48-jährige Unternehmer und Biohacker, hat erneut öffentlich seine Kritik an sozialen Medien geäußert und eine radikale Lösung vorgeschlagen: einen künstlichen Intelligenz-Agenten als Filter zwischen sich und seinem Feed. Nach einer 40- und einer 70-stündigen Social-Media-Entzugspause bezeichnete er die Plattformen als „toxisch“ und verglich ihre Wirkung mit Umweltverschmutzung. Wie Schadstoffe, so wirke sich der kontinuierliche Konsum von Inhalten auf die Psyche aus: „Du kannst nicht unsehen, was du gesehen hast. Es lagert sich wie Schwermetalle im mentalen Gewebe ab und verursacht chronische, niedriggradige Entzündungen.“ Johnson räumt ein, dass eine vollständige Abstinenz unrealistisch sei – vergleichbar mit dem Ratschlag, einem Londoner im 19. Jahrhundert, er solle aufhören, Kohlenrauch zu atmen. Stattdessen sieht er die Zeitabwesenheit als einzige wirksame Therapie, kombiniert mit einer technologischen Lösung: eine künstliche Intelligenz, die als „AI-Layer“ zwischen ihn und den Feed tritt. Diese sollte Hass, übertriebene Sensationsberichterstattung und Ego-Verstärkung wie Likes und Reichweiten filtern, die Inhalte in sachliche, ruhige Sprache übersetzen und nur das Wesentliche zurückliefern – den eigentlichen „Signal“ ohne „Rauschen“. „Ich will nie den rohen Feed sehen“, betont Johnson. „Ich möchte, dass ein AI-Agent ihn für mich liest, die Engagement-Metriken entfernt, die meine Urteilsfähigkeit beeinträchtigen, den Zorn filtert und nur das zurückgibt, wofür ich mich interessiere.“ Sein Ansatz ist Teil einer größeren Vision: die Verlängerung des menschlichen Lebens. Johnson investiert jährlich rund zwei Millionen Dollar in Biohacking-Techniken – von Plasmatherapie über spezielle Ernährung bis hin zu exzessivem Sport – mit dem Ziel, sein biologisches Alter zu verlangsamen oder sogar rückgängig zu machen. Sein Wunsch, soziale Medien in eine Langlebigkeits-Intervention zu verwandeln, statt sie als Bedrohung zu sehen, spiegelt die zunehmende Debatte über die psychische Belastung digitaler Umgebungen wider. Die Idee eines AI-Filter-Systems ist nicht mehr utopisch: Inzwischen agieren KI-Agenten bereits als Hacker, Kollegen und sogar virtuelle Berater. Doch mit solchen Systemen wachsen auch Risiken – etwa Manipulation, Datenschutzverletzungen oder die Gefahr, dass KI-Entscheidungen menschliche Urteilsfähigkeit untergraben. Industrieexperten sehen Johnsons Ansatz als wegweisend, aber kritisch. „Es ist ein klares Zeichen dafür, dass die menschliche Aufmerksamkeit zum knappen Gut geworden ist“, sagt eine KI-Expertein aus dem Silicon Valley. „Aber die Gefahr liegt darin, dass wir uns zu sehr auf Technologie verlassen und unsere Fähigkeit zur Selbstregulation verlieren.“ Johnsons Projekt bleibt damit ein Experiment an der Grenze zwischen Optimierung und Abhängigkeit – ein Versuch, die Zukunft der menschlichen Gesundheit und des digitalen Lebens mit KI neu zu definieren.
