Microsoft bestreitet KI-Kopien von NYT-Artikeln
Im laufenden Urheberrechtsstreit zwischen Microsoft, OpenAI und führenden Medienunternehmen sowie Buchautoren hat das Technologiekonzern neue Erkenntnisse aus der Beweisaufnahme vorgetragen. Microsoft führt aus, dass sein KI-Chatbot Copilot äußerst selten wörtliche Passagen aus geschützten journalistischen Texten oder literarischen Werken wiedergibt. Im Rahmen der Discovery-Prozedur übergab das Unternehmen mehr als acht Millionen Chat-Protokolle an einen von den klagenden Verlagen beauftragten Gutachter. Diese Daten seien gezielt nach relevanten Suchbegriffen selektiert worden, um mögliche Überschneidungen mit den Inhalten der Kläger zu prüfen. Die Auswertung ergab, dass lediglich fünfundfünfzigtausend vierhundertfünfundfünfzig Gespräche mindestens sechzehn Wörter mit den Trainingsdaten teilten. Ein unabhängiger Experte der Center for Investigative Reporting identifizierte nur fünfzigelf Fälle mit als erheblich bewerteter Überlappung. Unter den Buchautoren zeigten von zweihundertzwölf geprüften Titeln lediglich zehn überhaupt Übereinstimmungen, wobei nur vierundzwanzig Antworten dreißig oder mehr übereinstimmende Wörter aufwiesen. Microsoft stützt diese Zahlen auf sein zentrales Rechtsthema, dass die Nutzung urheberrechtlich geschützter Materialien zum Training von Sprachmodellen dem Prinzip des fairen Gebrauchs unterfalle. Das Unternehmen betont, dass KI-Systeme zwar auf geschütztem Content basieren, deren Ausgabe jedoch einen deutlich anderen und transformativen Verwendungszweck erzeuge. Gelegentliche Textwiedergaben untergründeten diese transformative Funktion nicht, argumentiert die Rechtsabteilung, und trügen nicht zur direkten Substitution der Originale bei. Die Klägerseite lehnt diese Darstellung kategorisch ab. Die New York Times wies die Microsoft-Argumentation zurück und erklärte in einer Stellungnahme ihres Rechtsvertreters Ian Crosby, die während der Beweiserhebung gewonnenen Dokumente belegen eindeutig, dass Microsoft und OpenAI den Journalismus des Blattes systematisch nutzen, um kommerzielle Produkte zu entwickeln, die direkt mit dem Original konkurrieren und die Geschäftsgrundlage von Nachrichtensendern bedrohen. Weder die Center for Investigative Reporting noch der Autorenverband Authors Guild haben zu den jüngsten filings Stellung bezogen. Die Gerichtsbarkeit hat die unterschiedlichen Klagen der Verlage und Autoren zur Verfahrensbeschleunigung unter einem Richter gebündelt. Microsoft reichte seine aktuellen filings am Freitag ein und fordert den zuständigen Richter auf, ein Zusammenfassungsurteil zu erlassen, das den Rechtsstreit bereits in einer frühen Phase beenden würde. Sollte die Judikative den Vorwürfen der Medienunternehmen stattgeben, wird das Verfahren vor Gericht fortgesetzt. Parallel dazu hat die US-Regierung in der New-York-Times-Sache eine offizielle Interessenbekundung eingereicht, in der sie die Position von OpenAI explizit unterstützt. Die anstehende gerichtliche Entscheidung gilt als wegweisend für die künftige regulatorische Landkarte des KI-Trainings und des digitalen Urheberrechts.
