Consultants verlassen Big 4 für AI-Startups
Der Boom bei der Künstlichen Intelligenz hat eine signifikante Verschiebung im Karriereweg von Top-Beratern ausgelöst. Traditionell war der Aufstieg zur Partnerschaft bei den führenden Beratern McKinsey, Bain und BCG (oft MBB genannt) der Traum vieler Berufstätiger. In jüngerer Zeit verlassen jedoch zunehmend ehemalige Mitarbeiter diese Firmen, um Start-ups im KI-Sektor zu gründen. Der Anstieg von KI-Technologien hat die Einstiegshürden für die Unternehmensgründung gesenkt und Industriezweige neu geformt, was für viele Berater dazu führt, dass eine beratende Rolle aus der Distanz nicht mehr ausreicht. Laut mehreren Interviews mit ehemaligen Beratern bestand der Grund für diesen Wechsel oft in einem langjährigen Drang, selbst etwas aufzubauen. Die aktuelle KI-Entwicklung bot dafür den perfekten Zeitpunkt. Andere sahen den Schritt weg von der Beratung hin zum Eigenbesitz eines Unternehmens als logische Weiterentwicklung nach Jahren in der Beratung. Diese Abwanderung wird nicht nur bei MBB beobachtet, sondern betrifft auch die großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften wie EY, Deloitte, PwC und KPMG. James Ransome, Partner und Leiter der Strategieberatung bei Patrick Morgan, einer Spezialfirma für die Besetzung von Senior-Partner-Positionen, sprach im letzten Jahr bereits von einem Exodus aus den traditionellen Machtzentren der Beratung. Gleichzeitig verlangsamt sich die Einstellung bei traditionellen Beratungsfirmen erheblich. Daten des Arbeitsmarkt-Analyseunternehmens Revelio Labs zeigen, dass der Zustrom von Neueinstellungen auf Einstiegsniveau im Juni 2025 im Vergleich zum Vorjahr um 54 Prozent zurückgegangen ist. Auch bei mittleren Managementebenen, die Revelio als Manager-Level definiert, sanken die monatlichen Zugänge um 22 Prozent. Für diejenigen, die den Sprung ins Unternehmertum gewagt haben, war der Übergang jedoch keineswegs einfach. Nathan Wangliao, der in seinen Zwanzigern McKinsey verließ, beschrieb den harten Realitätscheck: Er wechselte von einem großen Büro mit vielen Zusatzleistungen zu einem Co-Working-Space mit nur zwei anderen Personen. Er musste alles von Grund auf neu lernen und erwog im ersten Monat ernsthaft, zurückzukehren, da die Situation ihn erschreckte. Viele der ehemaligen Berater mussten lernen, alte Beratungsgewohnheiten wie übermäßige Analyse, die Jagd nach perfekten Daten und Risikovermeidung abzulegen. Im Start-up-Bereich gelte es stattdessen, „schnell mit pragmatischer Sparsamkeit voranzukommen". Vier der interviewten ehemaligen Berater haben ihre Gründe für den Wechsel, das Gelernte in der Beratung und die Schwierigkeiten des Abschieds von dieser Kultur detailliert dargelegt. Die Entwicklung zeigt, dass die KI-Revolution nicht nur Unternehmen verändert, sondern auch die Karrierepfade und die Identität von Führungskräften im Dienstleistungssektor neu definiert.
