AI-Valuierungen drohen Blase, warnt Tech-Investor Bravo
Billionär und Technologieinvestor Orlando Bravo, Mitgründer des Private-Equity-Unternehmens Thoma Bravo, warnt vor einer Blase in der Bewertung von Künstlicher Intelligenz (KI)-Unternehmen. In einem Interview mit CNBCs „Squawk on the Street“ stellte er die derzeitigen Marktwerte von KI-Start-ups in Frage und verglich die Situation mit der Dotcom-Blase der späten 1990er Jahre. Laut Bravo sind die Bewertungen derzeit extrem überhöht: „Die Bewertungen in der KI sind an einer Blase“, sagte er. Besonders kritisch sieht er die Bewertung von Unternehmen mit einem jährlichen wiederkehrenden Umsatz (ARR) von 50 Millionen Dollar, die mit 10 Milliarden Dollar bewertet werden. „Das Unternehmen müsste einen freien Cashflow von einer Milliarde Dollar erzielen, um das Kapital der Investoren zu verdoppeln – selbst wenn das Produkt perfekt ist und der Markt stimmt, das ist eine gewaltige Herausforderung“, betonte er. Ein entscheidender Unterschied zur Dotcom-Ära, so Bravo, sei heute, dass große etablierte Unternehmen mit stabilen Bilanzen massiv in KI-Unternehmen investieren. Diese „gesunden Bilanzen“ ermöglichten es, KI-Start-ups zu finanzieren, ohne dass die Unternehmen selbst auf dem Kapitalmarkt agieren müssen. Thoma Bravo, das mit über 181 Milliarden US-Dollar Assets under Management (AUM) im Juni 2024 eines der größten Private-Equity-Unternehmen der Welt ist, konzentriert sich auf den Erwerb und Verkauf von Unternehmenssoftware, insbesondere im Bereich Cybersicherheit. Diese Branchen sind zentral für die KI-Revolution, da Sicherheit und Infrastruktur für den Einsatz von KI-Systemen entscheidend sind. Bravo warnt jedoch davor, dass die heutige Finanzierungslage nicht die wirtschaftliche Realität ersetzen kann. „Es ist einfach nicht nachhaltig, ein Unternehmen mit 50 Millionen Umsatz auf 10 Milliarden Dollar zu bewerten, wenn es keine skalierbare Profitabilität zeigt“, sagte er. Die KI-Revolution sei real und langfristig wichtig, aber die aktuelle Bewertungsspanne sei gefährlich. Investoren müssten kritischer werden und sich auf die tatsächliche Rentabilität und Marktdurchdringung konzentrieren, nicht nur auf die Technologie oder das Marketing. Einige Branchenexperten teilen diese Sorge. „Bravo hat recht: Die KI-Valuationen sind derzeit überzogen, besonders bei frühen Start-ups“, sagte ein Analyst von Gartner. „Die große Frage ist, ob die Unternehmen die Umsatz- und Cashflow-Entwicklung schaffen können, um diese Erwartungen zu erfüllen.“ Thoma Bravo selbst hat in den letzten Jahren mehrere KI- und Cybersicherheitsunternehmen übernommen, darunter Forescout und Proofpoint, was die strategische Ausrichtung des Unternehmens unterstreicht. Trotz der Warnung bleibt die Branche weiterhin stark wachsend – aber mit einer wachsenden Risikowahrnehmung, dass die Hype-Phase bald einer Realitätsprüfung weichen könnte.
