Amazon stellt Graviton5 mit 192 Kernen und 180 MB L3-Cache vor
Amazon Web Services hat mit dem Graviton5 einen neuen, hochleistungsfähigen Arm-basierten Serverprozessor vorgestellt, der bis zu 192 Kerne und eine beeindruckende L3-Cache-Kapazität von 180 MB aufweist. Der Chip, der auf einem 3-nm-Prozess hergestellt wird, ist der dichteste Armv9.2-Prozessor und das bisher leistungsfähigste Mitglied der Graviton-Reihe. Er ist Teil von AWS’ strategischem Vorhaben, eigene, maßgeschneiderte CPU-Architekturen für die Cloud zu entwickeln und so traditionelle Marktführer wie AMD EPYC und Intel Xeon in Hochleistungsdatenzentren zu konkurrieren. Die neuen EC2 M9g-Instanzen mit Graviton5 sind bereits im Preview-Modus verfügbar und sollen laut AWS bis zu 30 % schneller bei Datenbanken, Webanwendungen und maschinellem Lernen sein als ihre Vorgänger (M8g). Compute-optimierte C9g- und speicherintensive R9g-Instanzen sollen 2026 folgen. Der Graviton5 basiert auf 192 Neoverse-V3-Kernen, die in einer überarbeiteten Architektur angeordnet sind, um Kommunikationslatenzen zu minimieren. AWS gibt eine bis zu 33 % niedrigere inter-kern-Latenz an – ein entscheidender Vorteil bei der Verdoppelung der Kernanzahl. Obwohl Arm die Verwendung von Neoverse V3 bestätigt, bleibt unklar, ob der Chip eine Arm-entwickelte Compute-Subsystem- (CSS) Architektur nutzt. Die fehlende Bestätigung deutet auf eine eigenständige, von Annapurna Labs entwickelte Lösung hin, die auf Neoverse V3 aufbaut. Ein zentraler Architekturwechsel betrifft den Cache: Im Gegensatz zum Graviton4, der ein zentrales System-Level-Cache (SLC) verwendete, setzt Graviton5 auf eine große, verteilte L3-Cache-Struktur. Dies ist notwendig, um die Latenz bei 192 Kernen zu kontrollieren. Ein monolithischer SLC wäre bei dieser Kernzahl zu einer Latenzschwelle geworden. Die 180-MB-L3-Cache-Struktur – etwa fünfmal größer als der 36-MB-SLC des Vorgängers – ermöglicht eine nahezu physisch nahe Datenzugriffsstrategie, verbessert die Coherenz und erhöht die Vorhersagbarkeit der Leistung in multi-tenant-Umgebungen. Die Cache-Größe pro Kern steigt um das 2,6-Fache, was auf eine verteilte, nicht zentrale Cache-Architektur hindeutet. Die Speicher- und I/O-Subsysteme wurden ebenfalls verbessert: Die Speicherbandbreite wird durch höhere DDR5-Taktraten (vermutlich über 6400 MT/s) erhöht, obwohl die effektive Bandbreite pro Kern möglicherweise sinkt – kompensiert durch den größeren Cache. Netzwerk- und Speicherbandbreite über Amazon EBS steigen um durchschnittlich 15 % bzw. 20 %. Die Sicherheit wird durch den sechsten Generation des Nitro-Systems und den neuen Nitro Isolation Engine gestärkt, ein formell verifizierter Isolationsmechanismus, der mathematisch nachweist, dass Workloads voneinander und von AWS-Betriebsteams getrennt sind – ein entscheidender Vorteil für Kunden mit strengen Compliance-Anforderungen. Industrieexperten sehen im Graviton5 einen Meilenstein für die Cloud-Computing-Architektur. „AWS zeigt, dass es möglich ist, mit einer eigenen CPU-Strategie nicht nur Kosten zu senken, sondern auch Leistung und Sicherheit zu steigern“, sagt ein Analyst von Gartner. Die Kombination aus hoher Kernzahl, großem Cache und formaler Sicherheit macht den Graviton5 zu einer ernsthaften Alternative für Enterprise-Workloads. Annapurna Labs, ein AWS-Tochterunternehmen, etabliert sich damit als ernstzunehmender Player im High-End-Server-Chip-Markt, der die Dominanz von Intel und AMD in der Cloud langfristig herausfordern könnte.
