Meta kauft Rivos für eigene RISC-V-Chips
Meta Platforms hat die RISC-V-Spezialistin Rivos für mehr als 850 Millionen US-Dollar übernommen, um die Entwicklung eigener CPU- und XPU-Beschleuniger für seine Datenzentren zu beschleunigen. Die Übernahme, die nach monatelangen Gerüchten nun bestätigt ist, markiert einen entscheidenden Schritt in Metas Strategie, die Kontrolle über seine Infrastruktur zu vergrößern – besonders im Bereich KI-Workloads. Während andere Cloud-Anbieter auf herkömmliche x86-CPUs und Nvidia-GPUs angewiesen sind, kann Meta als reinen Plattformbetreiber ohne Enterprise-Backlog eigene, maßgeschneiderte Chips entwickeln, die speziell für die Anforderungen seiner 3,5 Milliarden Nutzer auf Facebook, Instagram, WhatsApp und Threads optimiert sind. Rivos, gegründet 2021 von ehemaligen Apple- und PA Semi-Experten mit Unterstützung von Walden International, hatte sich auf die Entwicklung von RISC-V-basierten CPU-GPU-Hybriden spezialisiert. Besonders auffällig war ihre Ankündigung einer „CUDA-kompatiblen“ Software-Stack, was auf eine Strategie hindeutet, KI-Workloads auf nicht-Nvidia-Hardware effizient auszuführen – ein potenziell spannender Konkurrenzansatz. Die Firma arbeitete bereits mit Meta an der Entwicklung der MTIA-Chips (Meta Training and Inference Accelerator), insbesondere der MTIA 2i, die in bestimmten KI-Inferenz-Workloads – etwa bei Deep Learning Recommendation Models – eine 44-prozentige Senkung der Gesamtkosten (TCO) gegenüber Nvidia-GPUs verspricht. Dies ist besonders relevant, da Meta’s größte Modelle mittlerweile die Speicherkapazität von Nvidia’s Grace-CPU übersteigen. Die Übernahme stärkt Meta nicht nur in der Chip-Entwicklung, sondern auch in der Software-Ökosystem-Strategie. Rivos’ Fähigkeit, eine integrierte Architektur mit gemeinsamem Speicherzugriff über DDR und HBM zu realisieren, ähnelt stark Nvidias Grace-Hopper-„Superchips“. Wenn Meta diese Technologie auf Basis von RISC-V weiterentwickelt und mit einer CUDA-ähnlichen Kompatibilität ausstattet, könnte es eine kostengünstige Alternative schaffen – möglicherweise sogar für den Verkauf von Systemen. Die rechtliche Grauzone um die „CUDA-Kompatibilität“ ist jedoch riskant: Nvidia verbietet die Nutzung von Übersetzungs-Schichten für binäre CUDA-Programme auf anderen Hardwareplattformen. Ob Meta durch die Nutzung der Technologie in geschlossenen Systemen rechtlich geschützt ist, bleibt abzuwarten – doch als riesiger, gut finanziertes Unternehmen könnte Meta auch rechtliche Herausforderungen aufnehmen. Rivos’ Team, das aus ehemaligen Apple- und Google-Experten besteht, bringt tiefes Know-how in CPU-Architektur, Software-Stacks und RISC-V-Standardisierung mit, insbesondere im Rahmen des RVA23-Formats. Mit der Übernahme erhält Meta eine hochqualifizierte Kerngruppe, die bereits mit der Entwicklung von RISC-V-basierten Chips und einer komplexen Softwareinfrastruktur experimentiert hat. Die Zukunft könnte zeigen, dass Meta nicht nur eine Cloud-Plattform, sondern auch ein System-Hersteller wird – mit einem RISC-V-basierten, kosteneffizienten und softwarekompatiblen Alternativ-Ökosystem für KI. Industrieanalysten sehen in der Übernahme einen Meilenstein für die Entmachtung von Nvidia und die Etablierung von RISC-V als Standard für zukünftige Datenzentren. Die Kombination aus strategischer Autonomie, Kosteneinsparungen und technologischer Innovation macht Meta zu einem ernstzunehmenden Akteur im Chip-Wettbewerb – und Rivos könnte der Schlüssel zu einer neuen Ära der offenen, selbstkontrollierten Infrastruktur sein.
