SK Hynix hebt 26,5 Mrd. US-Dollar ein, USA fordern Fabriken
Der südkoreanische Speicherkonzern SK Hynix hat an der Nasdaq einen historischen Börsengang vollzogen und dabei 26,5 Milliarden US-Dollar eingenommen. Mit diesem Volumen stellt die Emission die bis dahin größte Ausgliederung eines nicht-amerikanischen Unternehmens an der US-Börse dar und übertrifft das 2014 erzielte Rekordvolumen von Alibaba. Die Emission umfasst 177,9 Millionen American Depositary Shares, die zu einem Kurs von 149 US-Dollar platziert wurden. Der Handel unter dem vorübergehenden Ticker SKHYV startete am Freitag, den 10. Juli, wobei der reguläre Handel für den offiziellen Ticker SKHY am Montag, den 13. Juli, aufnehmen soll. Die Nachfrage übertraf das verfügbare Angebot um das Siebenfache. Der Aktienkurs stieg an der Eröffnung um 14 Prozent über den Referenzkurs und notiert weiterhin im Aufwind. Damit durchbricht SK Hynix den seit Jahren beobachteten Korea-Discount, bei dem südkoreanische Unternehmen aufgrund komplexer Governance-Strukturen und geopolitischer Risiken traditionell mit Abzulagen gegenüber internationalen Peers gehandelt werden. Die außergewöhnliche Marktbewertung lässt sich primär auf die hohe Nachfrage nach High-Bandwidth Memory (HBM) zurückführen. HBM-Chips sind eine unverzichtbare Komponente für moderne AI-GPUs, wobei SK Hynix zu den Hauptlieferanten des US-Chipriesen Nvidia zählt. Die eingenommenen Mittel sollen gemäß den Börsenunterlagen primär in die Erweiterung der inländischen Produktionskapazitäten fließen. Konkret werden ein neuer Fertigungsstandort in Südkorea errichtet, der den weltweiten Speicherengpass infolge des AI-Booms adressieren soll, sowie eine neue Verpackungsstätte und hochpräzise EUV-Lithografiemaschinen beschafft. Parallel zum Börsenerfolg übt die US-Regierung weiteren Druck auf die asiatische Chipindustrie aus. US-Handelsminister Howard Lutnick nutzte eine Veranstaltung von Konkurrent Micron, um die Branche zur Standortverlagerung nach Nordamerika aufzurufen. Ziel ist es, die historische Dominanz Südkoreans in der Speicherfertigung aufzubrechen und bereits laufende Gespräche mit SK Hynix und Samsung zu einem US-Produktionsstandort zu vertiefen. Micron hatte seinerseits eine Investitionsabsicht von 250 Milliarden US-Dollar für den Ausbau der US-Fertigung bekannt gegeben, was mit der Schaffung von mehr als 90.000 Arbeitsplätzen einhergehen soll. Beide südkoreanischen Konkurrenten haben in den vergangenen Wochen zudem gemeinsam Investitionen in Höhe von über 550 Milliarden US-Dollar für den Kapazitätsausbau im Heimatland angekündigt. Die Kombination aus Rekord-IPO, strategischer Produktionsausweitung im Zuge der KI-Bedarfslage und wachsenden geopolitischen Handelsinteressen markiert einen Wendepunkt in der globalen Halbleiterbranche. SK Hynix positioniert sich damit nicht nur als finanziell gestärkter Marktführer, sondern steht zugleich im Fokus eines sich zuspitzenden Standortwettbewerbs zwischen Nordamerika und Ostasien.
