Indiens AI-Labor Sarvam launcht effiziente Open-Source-Modelle für lokale Sprachen
Indische KI-Lab Sarvam hat eine neue Generation von Großmodellen vorgestellt, die auf die Machbarkeit kleiner, effizienter und offener KI-Systeme setzen. Die Ankündigung erfolgte auf dem India AI Impact Summit in Neu-Delhi und markiert einen strategischen Schritt im Wettbewerb mit den dominierenden US- und chinesischen KI-Unternehmen. Sarvam präsentierte eine Reihe neuer Modelle: zwei große Sprachmodelle mit 30 Milliarden und 105 Milliarden Parametern, ein Text-zu-Sprache-Modell, ein Sprache-zu-Text-System sowie ein Vision-Modell zur Dokumentenanalyse. Im Vergleich zum 2024 veröffentlichten 2-Milliarden-Parameter-Modell Sarvam 1 handelt es sich um einen erheblichen technologischen Fortschritt. Beide neuen Sprachmodelle nutzen eine Mixture-of-Experts-Architektur, die nur einen Teil der Parameter aktiviert, was die Rechenkosten erheblich senkt. Das 30B-Modell verfügt über einen 32.000-Token-Context-Fenster für Echtzeit-Gesprächsanwendungen, während das 105B-Modell mit einem 128.000-Token-Fenster komplexe, mehrschrittige Aufgaben bewältigen kann. Die Modelle wurden komplett von Grund auf trainiert – nicht auf bestehenden Open-Source-Modellen fine-tuned. Das 30B-Modell wurde auf etwa 16 Billionen Token Text, das 105B-Modell auf Trillionen Token in mehreren indischen Sprachen trainiert. Ziel ist die Unterstützung von Anwendungen wie Sprachassistenten und Chat-Systemen in lokalen Sprachen. Das 105B-Modell soll OpenAIs GPT-OSS-120B und Alibabas Qwen-3-Next-80B konkurrieren. Die Entwicklung erfolgte mit Unterstützung der staatlichen IndiaAI-Mission, der Datenzentren-Infrastruktur von Yotta und technischer Unterstützung von Nvidia. Sarvam betont einen bewussten, anwendungsfokussierten Ansatz zum Skalieren, wie Co-Founder Pratyush Kumar erklärte: „Wir wollen nicht einfach aus Größenwahn skalieren, sondern verstehen, welche Aufgaben wirklich im großen Stil zählen.“ Die Firma plant, die 30B- und 105B-Modelle offenzulegen, allerdings wurde noch nicht klar, ob auch die Trainingsdaten oder der gesamte Code veröffentlicht werden. Zudem arbeitet Sarvam an Spezialsystemen wie einem Code-Modell und Unternehmenswerkzeugen unter dem Namen „Sarvam for Work“, sowie einem conversational AI-Plattform namens Samvaad. Gegründet 2023, hat das Startup über 50 Millionen US-Dollar an Kapital gesammelt, unter anderem von Lightspeed Venture Partners, Khosla Ventures und Peak XV Partners. Industrielle Beobachter sehen in Sarvams Initiative einen wichtigen Impuls für die Unabhängigkeit Indiens von ausländischen KI-Plattformen. Die Kombination aus lokaler Sprachunterstützung, effizienter Architektur und staatlicher Förderung könnte einen neuen Standard für kostengünstige, skalierbare Open-Source-KI setzen. Experten betonen, dass die echte Herausforderung nicht in der Modellgröße, sondern in der Anwendbarkeit und Effizienz liegt – genau dort, wo Sarvam ansetzt. Die Firma positioniert sich damit nicht als direkter Konkurrent zu den globalen Giganten, sondern als Innovator für nachhaltige, lokal relevante KI-Lösungen.
