Hochschulteam entwickelt Gesichtserkennungssoftware für mehr Unabhängigkeit bei Mobilitätseingeschränkten
Der Computerwissenschaftler Chetan Jaiswal von der Quinnipiac University wurde 2022 tief berührt, als er einen jungen Mann im Rollstuhl mit motorischen Einschränkungen erlebte, der mit seinen Eltern nur schwer kommunizieren konnte. Diese Erfahrung motivierte ihn, gemeinsam mit der Ergotherapie-Expertin Karen Majeski und dem Kollegen Brian O’Neill sowie den Studierenden Michael Ruocco und Jack Duggan eine innovative, künstliche-intelligenz-gestützte Software namens AccessiMove zu entwickeln. Das System ermöglicht es Menschen mit eingeschränkter Beweglichkeit, computergesteuerte Geräte und sogar Rollstühle vollständig über Gesichtsgesten zu steuern – ohne zusätzliche Hardware. Mit einer herkömmlichen Webcam erkennt AccessiMove Kopfbewegungen, Augenblinzeln und Gesichtsmerkmale in Echtzeit, um Cursorbewegungen, Mausklicks oder Befehle wie „Chrome öffnen“ oder „Computer neu starten“ auszuführen. Ein Blick nach oben bewegt den Rollstuhl vorwärts, nach unten rückwärts. Die Software ist anpassungsfähig und funktioniert auch bei Brillenträgern oder Personen mit eingeschränkter Halsbeweglichkeit, da sie individuell an die Bewegungsmöglichkeiten des Nutzers kalibriert wird. Ziel ist es, mehr Unabhängigkeit für Menschen mit Behinderungen, Senioren in Pflegeheimen oder Patienten in Krankenhäusern zu schaffen – etwa, um sich in der Kommunikation zu äußern, wenn sie nicht sprechen können. Darüber hinaus eröffnet AccessiMove neue Möglichkeiten in der Bildung, Rehabilitation, Fernunterricht und sogar im Gaming, wo es inklusives, handsfreies Spielen ermöglicht. Die Forscher streben Partnerschaften mit Krankenhäusern wie Yale Hospital oder Hartford Hospital an und suchen Investoren, um die Technologie weiterzuentwickeln – auch als Open-Source-Lösung für breitere Zugänglichkeit. Die Technologie nutzt keine speziellen Sensoren, sondern funktioniert bereits mit der integrierten Kamera von Tablets oder Smartphones. Die Entwicklung wird von Fachleuten als bedeutender Schritt hin zu einer inklusiveren Technologiezukunft gewürdigt. Experten betonen, dass AccessiMove nicht nur eine technische Innovation, sondern ein soziales Projekt ist, das den Alltag von Menschen mit Behinderungen nachhaltig verbessern kann. Die Kombination aus künstlicher Intelligenz und einfachem Zugang über gängige Geräte macht die Lösung besonders skalierbar. Die beteiligten Professoren und Studierenden zeigen, wie interdisziplinäre Forschung praktische, menschenzentrierte Lösungen hervorbringen kann. Die Universität Quinnipiac setzt mit diesem Projekt einen Meilenstein in der Entwicklung assistiver Technologien, der potenziell weit über den akademischen Kontext hinauswirken könnte.
