Apple forciert eigene und externe KI
Apple hat im vierten Quartal und Gesamtgeschäftsjahr die besten Umsätze und das beste Ergebnis je Aktie verbucht und dabei stark vom Interesse an künstlicher Intelligenz profitiert, ohne die Infrastrukturinvestitionen der Wettbewerber mitgehen zu müssen. Im Endquartal stieg der iPhone-Umsatz um 17,5 Prozent auf einen Rekordwert von 57,6 Milliarden Dollar für ein Septemberquartal; die Mac-Sparte legte 24 Prozent auf 10,8 Milliarden Dollar zu und erreichte damit den höchsten Wert seit vier Jahren. Anleger reagierten dennoch mit Kursabschlägen, weil das Unternehmen wegen steigender Speicherpreise mit sinkenden Margen im Weihnachtsgeschäft rechnet. Angaben dazu, wie viel des Wachstums auf KI-Nachfrage oder höhere Preise zurückgeht, machte Apple nicht. Finanzvorstand Kevan Parekh sprach jedoch von vielen Wegen, über die KI künftig zum Umsatz beitragen könne. Die neuen Fähigkeiten könnten Kunden zu Upgrades und Wechseln bewegen; zusätzlich sieht Apple Chancen bei Drittanbieter-Apps, Partnerschaften und eigenen Diensten. Auf der Telefonkonferenz waren KI und Apple Intelligence 45 Mal Thema, so oft wie nie zuvor. Apple positioniert sich dabei als Zugangspunkt für KI-Angebote, auch von Konkurrenten: Mit mehr als 2,5 Milliarden aktiven Geräten erreicht das Unternehmen ein großes Publikum, das Hardware, App-Store-Provisionen und Zusatzdienste finanzieren kann. Finanziell hält sich Apple trotz wachsender Forschungs- und Entwicklungskosten zurück. Im Quartal gab Apple 2,2 Milliarden Dollar für Investitionen aus, während Amazon 77,3 Milliarden Dollar und Alphabet 51,4 Milliarden Dollar angaben. Die operativen Aufwendungen stiegen um 21 Prozent auf 19,2 Milliarden Dollar. Ein Teil der Kosten für Siri AI wird künftig in den Kosten der Dienstleistungen erscheinen; Parekh zufolge lässt sich noch nicht abschätzen, wie viele Anfragen lokal und wie viele auf Servern laufen. Der überarbeitete Sprachassistent war im September in den USA für englischsprachige Nutzer in der Beta gestartet und wurde im Oktober auf weitere Sprachen ausgeweitet. Serverseitige Funktionen wie Siri AI und intelligente Bildbearbeitung sollen Nutzungsgrenzen bekommen; wer mehr Kapazität braucht, kann später erweiterten Zugang kaufen. Besonders der Mac rückt als Plattform für lokale KI-Modelle in den Fokus. Konzernchef John Ternus sprach von einem eigenen KI-Moment für den Mac. Als Beispiele nannte Gap und Christie’s, die Aufgaben wie Diebstahlerkennung in Filialen oder Workflows zur Preisschätzung auf Mac Mini beziehungsweise Mac Studio ausführen und damit Cloudkosten vermeiden. Die kleinen Desktoprechner ziehen zudem Entwickler und Nutzer an, die KI-Modelle lokal betreiben wollen. Zudem profitiert Apple über Provisionen: Analysten schätzten, dass über den App Store 2026 mehr als eine Milliarde Dollar mit generativen KI-Apps zusammenkommen könnten. Allerdings versuchen Anbieter wie OpenAI, Nutzer über eigene Websites an den App-Store-Gebühren vorbeizuführen. Insgesamt profitiert Apple damit auf mehreren Ebenen vom KI-Geschäft, ohne alle Modelle selbst bauen oder die Infrastrukturkosten der großen Wettbewerber tragen zu müssen.
